Ragnarök (Götterdämmerung)

war die vorherbestimmte germanische Götterdämmerung (Verhängnis der Götter) und Höhepunkt des Weltendramas. Von Beginn beherbergt die Welt den Keim des Untergangs, als sie die ersten Geschöpfe aus den Naturgewalten Feuer und Eis hervorgingen. Im Innersten vergänglich, wurde die Welt von Zerstörung heimgesucht und war von Anfang an unvollkommen. Ragnarök gingen zahlreiche Katastrophen voran. Loki, ein Vertreter des Bösen, zeugte drei Ungeheuer, gegen die die Götter letztendlich machtlos waren. Aus Hass ermordete er Balder, die personifizierte Güte und Schönheit. Außerhalb Asgards wuchs der Hass der feindlichen Riesen, bis in verheerenden Ragnarök alle bösen Kräfte der Welt hervorbrachen. Die Apokalypse ist Thema aller Mythen, bei den Germanen jedoch erscheint die drastischer als anderswo, und nur dort vernichtet sie sogar die Götter. In einer hoffnungsvolleren Version überleben einige, und die Erde taucht frisch und grün aus dem Meer auf, durch Feuer und Wasser gereinigt. Ragnarök überschattet die nordischen Mythen, stellt jedoch auch die Tapferkeit der Götter und Helden heraus.

Nach einem furchtbaren, dreijährigen Winter findet eine letzte Schlacht zwischen den Göttern und den Eisriesen auf den Vigrid - Ebenen statt. In den Reihen Odins und der Götter streiten auch die "glorreich gefallen Helden", die ihren Platz in Walhall fanden, während die "ruhmlos Gestorbenen" aus der germanischen Unterwelt Hel zusammen mit dem Feuergott Loki, dem Eisriesen, dem Fenriswolf, und dem Seeungeheuer Jormungand kämpfen. Nichts konnte den Hauptgott Odin unternehmen, um die Katastrophe abzuwenden. Sein einziger Trost war, das er im Voraus wusste, dass Ragnarök nicht das Ende der Welt war. Nachdem Odin durch den Fenriswolf, Thor durch Jormungand, und die meisten anderen Götter in der blutigen Schlacht mit den Eisriesen umgekommen waren, sollte eine neue Welt "aus den tiefen des Wassers in wunderbarem Grün" erstehen.

Vor dem Kampf hatten sich zwei Menschen, Lif und Lifthrasir, im Weltenbaum Yggdrasil versteckt, bis das Gemetzel vorüber war, und bevölkerten danach die Erde neu. Auch einige Götter überlebten, wie Odins Söhne Widar und Wali, und sein Bruder Honir, Thors Söhne Modi und Magni, die den Hammer ihres Vaters erbten, und außerdem Balder der vom Totenreich zurück kam.

Ragnarök übte auf die Wikinger, deren blutiger Raubzüge heute noch Stoff zahlreicher Legenden bilden, große Faszination aus. Nachdem sie erst einmal erkannt hatten, wie Wirkungsvoll die "standhogg" genannten, blitzartigen Überfälle auf die Küsten der reicheren Länder in südlicher und westlicher Richtung waren, sollten - wie Alkuin im 8. Jahrhundert bemerkte - von nun an alle in Angst und Schrecken lebten.

Im Jahr 793 wurde die englische Klosterinsel Lintisfarne geplündert und die Kirche Sankt Cuthbert mit dem Blut der Mönche bespritzt. Alkuin beklagte, "niemals zu vor kam solch ein Schrecken über uns wie jetzt durch die heidnischen Horden". Aber für die Wikinger war es wie Ragnarök "ein Zeitalter von Axt und Schwert". Es war das Vorspiel für das "Zeitalter von Wind und Wolf vor der Zerstörung der Welt". Trotz der Christianisierung der Germanen Nordeuropas blieb die Sorge vor dem Weltuntergang.

Der Gedanke an das Jüngste Gericht quälte sie während des gesamten Mittelalters. Möglicherweise ging der Kampfeswillen der Nazis im zweiten Weltkrieg auf die Volkstümliche Überlieferung der Götterdämmerung zurück.


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