Die Wikinger kommen

793 überfielen die Wikinger die Insel Lindisfarne (Holy Island) vor der Nordküste Englands. Die Mönche von Lindisfarne waren Künstler und Handwerker, berühmt für ihre kunstvoll gestalteten Bibeln und Kelche aus Gold und Edelsteinen. Die Wikinger plünderten Lindisfarne und brannten es nieder.

Aber nicht nur die britischen Inseln waren den Überfällen der Nordmänner ausgesetzt. Die Norweger zogen meist gen Westen nach Irland und der Insel Man. Die Schweden richteten ihre Aufmerksamkeit über die Ostsee bis nach Russland. Die Dänen hielten sich eher im Südwesten bei Friesland, England und der Normandie auf.

Die Raubzüge wurden aus unterschiedlichen gründen unternommen. Meist waren es Bauern die ihren Lebensunterhalt sichern wollten und Kriegsherrn die nach Beute und Ruhm sehnten, aber auch Siedler und einige Verbrecher die im Land geächtet waren und sich deshalb an die weite offene See hielten.

Die ersten Angriffe waren heftig aber selten. Später wurden die Angriffe besser organisiert und von vernichtendem Ausmaß. Selbst große Städte mit riesigen steinernen Schutzwällen wie Paris, konnten die Normannen nicht davon abhalten es mehrmals als Ziel für ihre Raubzüge zu erwählen.

Die Wikinger waren aber nicht nur auf Beute aus, vor allem suchten sie neues fruchtbares Land in Küstengegenden, wo sie sich niederlassen konnten, wie z.B. an der Seine, Friesland, und auf der Insel Walcheren. Nach und nach besiedelten immer mehr Wikinger die neuen Gebiete und vermischten sich mit den einheimischen, wodurch einige Traditionen und Städtenamen aus dem altnordischen in ganz Europa zu finden sind.

Die Wikinger unterwarfen z.B des Öfteren England, Irland, die Normandie, die Bretagne und Russland. Um 795 begannen die ersten Angriffe der Nordmänner an der irischen Küste und Südengland. Etwas Später greift König Godfred von Dänemark sogar das Reich Karls des Großen an. Im Jahre 808 gründeten die Nordgermanen und Dänen Haithabu, welche sich zu einer der wichtigsten Umschlagplätze für Waren aus aller Welt zu jener Zeit entwickelte.

Um 820 fielen die ersten Wikinger über Frankreich her und führten damit die großen Raub- und Plünderzüge durch ganz Europa ein, die gegen 835 an Intensität zunahmen. 841 gründeten die Wikinger die Stadt Dublin. 2 Jahre später besetzten die Normannen Frankenreich und zogen nach Spanien. Wieder 2 Jahre später stürmten die Wikinger Paris und versetzten Frankreich in Angst und Schrecken. Nach Jahren des Plünderns und Umherziehens lassen sich die ersten Wikinger an der Seine und in der Bretagne nieder. Nach weiteren Überfällen um 885-886 und späteren Invasionen der Wikinger zu Anfang des 9. Jahrhunderts erhalten die Normannen 911 die heutige Normandie als Tribut für den Frieden und ließen sich dort nieder.

In Nowgorod kommen die Rus um 860 und später gegen 882 in Kiew an die Macht. 865 landen die Dänen in England und nehmen 866 die Stadt York ein. 875 machten sich die Wikinger auf, Island zu besiedeln. Ein Jahr später begann die Welle der Kolonisierung Englands. 986 beginnt die Expedition und Besiedelung von Grönland und Nordamerikas.


Land

Die Wesensart der Wikinger entsprach dem Charakter ihrer Heimat; rauh, hart und gefährlich, aber auch kraftvoll, geschickt und ehrgeizig. Ihr Land war zu großen Teilen bis auf die weiten Küstenstreifen und dem süden Norwegens und Schwedens mit nur schwer überwindbaren Gebirgsketten durchzogen. Die Küstenstreifen waren mit Fjorden durchkämmt. Wie auch im südlichen Germanien fehlte es den Wikinger im Süden nicht an Seen und Wäldern.

Der Großteil dieser Wikinger wohnte auf ihren Höfen an den Küsten Skandinaviens, wo sie ihre Felder bebauten und fischten. Dänemark und Norddeutschland war sehr flach vom Aufbau des Landes her, wie der größte Teil Germaniens. Germanien war jedoch zu großen Teilen mit Urwäldern versehen, was ein Vorteil gegen das Eindringen feindlich gesinnter Heere gegenüber dem Volk der so genannten Barbaren war.


Landwirtschaft

Die Wikinger mussten für ihr täglich Brot harte Knochenarbeit an den Tag legen. Im nördlichen Skandinavien, herrschte ein äußerst tödliches Klima. Im Winter froren die Flüsse über Monate zu und der Sommer war oft zu kurz um die Garten- und Feldfrüchte zufrieden stellend heranreifen zu lassen. Erst weiter südlich erlaubte das Klima eine Vielzahl von verschiedenen Garten- und Feldfrüchten, wie z. B. Gerste, Weizen, Roggen , Erbsen und Bohnen.

Die Wikingerfamilien bewohnten niedrige, lang gestreckte Häuser aus Holz oder Stein. Die Dächer waren oft mit Holzpfählen gestützt und für gewöhnlich mit Stroh, Schilfrohr oder Rasen bedeckt. Letzteres war im Winter besonders nützlich da die natürliche Erdschicht die Kälte besonders abwies. Nahe dem Haupthaus befanden sich zumeist die kleineren Gebäude, wie Kuhställe, Geräteschuppen, Scheune, Schmiede, ein Bad und ein Räucherhaus.

Die Wikinger räucherten sehr viel Fleisch und Fisch um es haltbar zu machen. Auf größeren Flächen guten Bodens gründete man oft kleine Siedlungen. In schlechten Zeiten und besonders zu den Wintermonaten herrschte Nahrungsmangel. Die meisten Menschen ernährten sich in erster Linie von Brot und Brei aus Gerste oder Hafer. Schafe, Rinder, Schweine und Ziegen lieferten notwendiges Fleisch sowie Rohmaterial für Kleidung und Milch für die Kinder. Ein Großteil dieses Bestandes wurde zumeist im Spätherbst geschlachtet, da es im Winter nicht genügend Futter gab um die Tiere zu versorgen, nur das stärkste Vieh brachte man mit viel Mühe über den meist harten Winter.

Die Wikinger liebten große Gelage und Festmähler, besonders zum Abschluss von erfolgreichen Handelsreisen und Raubzügen. Ein gelungenes Fest konnte das Ansehen des Gastgebers erhöhen. Ein sehr verbreitetes Getränk der Wikinger Männer war der Met (Honigwein), Bier und bei den Reichen gab es sogar zu besonderen Anlässen Wein, der zumeist aus dem verwandten Germanien stammte. Die Gastfreundschaft wurde bei Ihnen sehr groß geschrieben, sie konnte bis zu maximal 3 Tage dauern was üblich war. Niemanden wurde bei ehrlichem und gesittetem Verhalten diese Gastfreundschaft verwährt, sollte sie aber auch nicht länger in Anspruch nehmen da es schon schwierig genug war mit der eigenen Familie über den Winter zu kommen.


Jagd und Fischfang

In den weiten Landstrichen, die für den Anbau von Getreide ungeeignet war, mußte man sich auf seine Fähigkeiten als Jäger verlassen. Die großen Wälder Skandinaviens und die fischreichen Küsten und Gewässer beherbergten jedoch reichlich Nahrung. Beliebt waren vor allem die Wiesente, Auerochsen, Elche, Hirsche Wildschweine und Bären welche besonders viel Fleisch gaben. Im Norden, wurde zumeist mit Speeren sowie Pfeil und Bogen gejagt. Die Jagd fand meistens zu Fuß, gelegentlich auch zu Pferd und mit Hunden, wer es sich erlauben konnte dieses über den Winter zu bringen.

Bei Ausgrabungen in Haithabu, York und Birk konnte man anhand der massenweise gefundenen Gräten sagen, das man sich damals beim Fischfang vor allem vom Dorsch, Schellfisch, Hering und Aal zuwandte. Im entfernten Grönland welches Erik der Rote um 980 entdeckte, ernährte man sich zumeist von den fischreichen Gewässern, Walen, Robben und Walrossen. Selten erlegten die Wikinger auch Eisbären. Aus den Knochen der Walen fertigten sie Behälter und aus dem Elfenbein der Walrosse schnitzen sie Schmuckstücke welche man im Handel mit Island und Skandinavien gegen Weizen, Eisen und Bauholz tauschte.


Kunst und Handwerk

Die Wikinger waren geschickte Handwerker und beherrschten viele künstlerische Ausdrucksformen. Seit Jahrhunderten konzentrierte sich die Kunst der Wikinger auf tierische Kunstmotive wie Schlangenformen oder verflochtenem Geäst. Die Metallverarbeitung war bei den Wikinger sehr weit vorgeschritten, hatten entsprechend gute Schmiede und Künstler hervorgebracht. Ausgrabungen beweisen das bereits die meisten handwerklichen Mittel des 19. Jahrhunderts bei den Wikingern in Gebrauch waren. Weit verbreitet war ebenfalls die Holzschnitzerei.

Um die berühmten breiten Zweischneidigen Schwerter der Wikinger widerstandsfähiger und elastischer zu machen, schweißten die Wikinger Eisenstangen zusammen, wobei sie die Stangen umeinander wanden, worauf als Nebeneffekt ein verzierendes Muster in dunklen und hellen Farbtönen auf der Oberfläche abzeichnete. Den Abschluss bildete eine scharfe Schneide aus Eisen von besserer Qualität.


Schmuck

Die Wikinger hatten besondere Schmuckstücke in Qualität und Motiven hervorgebracht. Weit verbreitet war die Spange, die zur Zierde und zum praktischem Zweck getragen wurde. Je reicher die Männer waren, desto mehr Ringe trugen die Frauen an Ketten oder Halsreifen um ihren Hals. Es wird berichtet, das einige Frauen einen Behälter aus Eisen , Silber, Kupfer oder Gold je nach Vermögen des Gemahls auf der Brust trugen. An jedem Behälter war ein Ring, in dem jeweils ein Messer steckte.

Gussformen für den Schmuck wurden aus Ton, welche sich um eine Form aus Wachs schloss, modelliert und gebrannt. Die Form wurde erhitzt, so dass das Wachs herauslaufen konnte und man anschließend Bronze und dergleichen einfüllen konnte. Wenn die Bronze ausgehärtet war zerschlug man den Ton und bekam das fertige Schmuckstück, welches nun nachbearbeitet werden konnte. Bei schlichteren Schmuckstücken, ließ man die Wachsform beiseite so das man serienmäßig produzieren konnte indem man ein fertiges Endprodukt einfach in den nassen Ton abdrückte. Oftmals wurden Perlen, Bergkristalle und Bernstein in die Schmuckstücke eingefasst.


Handel

Die Kaufleute unter den Wikingern nahmen weite Reisen auf sich, um Walroßelfenbein, Felle, Pelze, Jagdfalken, Bernstein, Schmuck und Sklaven gegen Seide Gewürze, Weine, exotischen Schmuck und Silber aus dem Osten zu tauschen. Die meisten Händler waren Vollzeit-Händler, aber auch Bauern die ihr Feld bestellten, unternahmen im Sommer Heerfahrten oder Handelsreisen, um ihre Einkünfte zu verbessern.

Es wurden zwischen Handelsleuten aber auch Kriegsherrn Bruderschaften gegründet, um sich Kosten, Risiken, aber auch ihre Erträge zu teilen. Die Wikinger fuhren oft über die Ostsee her größere Flußmündungen an um dort Handelsposten zu errichten. Viele von ihnen drangen bis weit ins innere des Landes vor, wo sie ihre Waren an die Einheimischen verkauften. Man nannte diese kühnen Händler Waräger oder Rus ( Fremde), woher auch der Name Rußlands stammt.

Diese sogenannten Rus gründeten die Städte Nowgorod, Kiew und Smolensk und erschlossen so Rußland für den Handel. Die skandinavische Herrscherfamilie Rus machte sich die regionalen und politischen Verhältnisse zunutze, so daß sie bis ins 11. Jahrhundert dort Herrschte.

Später drangen sie bis zum Schwarzen Meer und Konstantinopel vor. Es sollten sich so viele Wikinger in Byzanz aufgehalten haben, die sich Miklagard nannten, das man von rechten Wikingervierteln sprach. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts schossen einige wichtige Marktplätze hervor. Eines der frühesten Beispiele ist Helgö auf einer Insel des Mälarsees in Schweden. Dort fand man Waren aus ganz Ost und West. Später übernahm Birka die zentrale Rolle Helgös. Im Westen waren die Handelsrouten bereits wie in Haithabu gut ausgebaut. Sogar in strengen Wintern unternahmen die Wikinger Handelsreisen, und brachten mit Schlitten ihre Waren über die zugefrorene See.


Schiffe

Die Wikinger waren damals im Schiffsbau an der Spitze der technischen Entwicklung. Durch die Überlegenheit ihrer Schifftypen war es ihnen möglich sich über Jahrhunderte als geschätzte Händler und gefürchtete Krieger zu behaupten. Die ersten Schiffe der Wikinger besaßen damals noch keinen Kiel und waren daher für weite Seereisen ungeeignet. Als jedoch das goldene Zeitalter der Wikinger anbrach, hatten ihre Schiffe bereits einen Kiel, Mast und Segel was deren Stabilität sehr verbesserte. Trotz der Leichtigkeit der Schiffe waren sie sehr robust, wendig und schnell, was ihnen ihre blitzartigen Überfälle auf Abteien und feindliche Siedlungen ermöglichte.

Der Kiel bestand aus einem einzigen, soliden Stück Eichenholz. Als Fortsetzung des Kiels wurden vordere und hintere Steven angebracht. Danach baute man den Schiffskörper aus Spanten (Rippen), die man dachziegelartig überlappte und vernagelte. Anschließend erhielt das Schiff ein Deck und wurde mit Pech abgedichtet.

Die kurzen aber breiten Handelsschiffe konnten bis zu 35 Tonnen Fracht aufnehmen, einschließlich der Besatzung, Pferde und Rinder. Die Frachtschiffe hatten oftmals bei normaler Größe rund 6 Ruderplätze und ein Segel. Die dagegen Schlanken und längeren Kriegsschiffe / Langschiffe wurden durch zahlreiche Ruder und einem Segel angetrieben. Selbst unter schwierigen Bedingungen waren sie daher sehr schnell und manövrierfähig. Die meisten Langschiffe hatten 16 bis 18 Ruderplätze je Seite.

Das größte geborgene Drachenboot besaß König Olaf I. Tryggvesson um 998 und hatte pro Seite 34 Ruderbänke und hatte die Aufschrift Lange Schlange. Auf seinem Bug Prangte ein Stolzer Drachenkopf. Die schnellen Langschiffe erreichten Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 7 Knoten (13 KM / h) und waren damit den Schiffen anderer Völker um einiges voraus. Im Winter lagerte man sie in extra dafür gebauten Bootshäusern.



:: Quelle: www.odinownsyouall.de :: Zusammengestellt von OdiN ::


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