Die germanische Mission des Christentums

von Christian Brüning

Wenn wir uns im folgenden dem Prozeß der Bekehrungsgeschichte zuwenden, dann aus dem Grund, daß die Tatsache der geschichtlichen Bekehrung den landläufigen Nimbus des Obsiegthabens trägt. Das Christentum spricht von der "Überwindung" des Heidentums, was mit der Überwindung von Aberglauben, Unkenntnis und Götzenanbetung gleichgesetzt wird. Es ist durchaus interessant, welche Mittel angewendet wurden das Heidentum zu überwinden und das Christentum durchzusetzen. Das es sich in der Tat nicht von selbst durchsetzte sollte zu denken geben.

Das es sich nicht um einen inhaltlichen Sieg des Christentums handelte läßt sich schon aufgrund des Umstandes vermuten, daß es um die exklusive Einsetzung der neuen Religion einen jahrhundertelangen missionarischen Kampf gab. Die Annahme des Christentums war in der Regel gekoppelt mit militärischer Unterwerfung und: es wurde kein anderer Glaube geduldet als der christliche, wobei man den heidnischen gar nicht erst versuchte kennenzulernen. Der folgende Text setzt sich aus philologischer Fachliteratur zusammmen deren Ergebnisse als seriös betrachtet werden können.
Diese Aufstellung ist nicht vollständig und soll nur den Gesamteindruck vermitteln den man im allgemeinen von der Bekehrung im alten Europa gewinnt. (Zur genaueren Betrachtung verweise ich auf die Quellenwerke im Autorenverzeichnis). Wir werden einige Stationen der Bekehrungsgeschichte nachvollziehen und einige Eckdaten nennen. Der Prozeß der Völkerwanderung (ca. 400 - 800 nZt.) ist für sich betrachtet hochinteressant. Durch den Zusammenbruch des römischen Imperiums sahen die germanischen Stämme die Möglichkeit zur Expansion und der Eroberung neuer Gebiete. In diese Zeit fällt auch der Beginn des Bekehrungskampfes der Kirche[1], die den Zusammenbruch des römischen Staates unbeschadet überstanden hatte; war sie ja schon zu jener Zeit durch ihre strenge hierarchische Gliederung ein Staat im Staate gewesen, den die politischen Umwälzungen nicht substantiell berührten.

"Die Bekehrung der Germanen war ein langwieriger und mühsamer Vorgang. Zwischen den ersten Berichten christlicher Germanen und dem Verschwinden der letzten organisierten Formen des Heidentums liegen sieben Jahrhunderte. Die Umstände, unter denen die Bekehrung stattfand, die Methoden, die dabei angewendet wurden, der Verlauf des Überganges mit seinem oft langen Hin und Her, dies alles sind Aspekte, die für jedes germanische Volk einzeln untersucht werden müßten. Mehrere germanische Völker kamen mit dem Arianismus in Berührung, bevor sie zur Kirche von Rom übertraten. Die Goten lernte ihn schon im vierten Jahrhundert an den Ufern des schwarzen Meeres kennen. Mit ihnen und anderen Völkern, wie die Wandalen und Burgunder, kam diese Form des Christentums auch nach Westen; dort bekannten sich fast alle Germanen dazu, bis die Franken bei der Bekehrung Chlodwigs im Jahr 496 zum Katholizismus übergingen."[2]

Der Unterschied zwischen dem Arianismus und dem Katholizismus erschließt sich am besten durch das Konzils von Nicäa im Jahre 325. Dort streiten der Namensgeber des Arianismus: Arius und Athanasius um die richtige Definition des christlichen Glaubens.

"Unter den zahlreichen Glaubensstreitigkeiten, welche die christliche Welt den ersten Jahrhunderte in Bewegung hielten, war eine der wichtigsten der Kampf um die Frage nach dem Wesen Christi und seinem Verhältnis zu Gott dem Vater. Arius, ein gelehrter Presbyter von Alexandrien (gest. 336) lehrte im Anschluß an Origenes und unter Zuspitzung von dessen These, das der Gottessohn nicht weseneins mit Gottvater, sondern diesem untergeordnet sei und als Mittler zwischen Gott und den Menschen stehe. Athanasius, anfänglich bischöflicher Geheimschreiber, dann als Nachfolger des abgesetzten Arius selbst Bischof von Alexandria (gest. 373); vertrat dagegen die Auffassung, das der Gottessohn von Ewigkeit an weseneins mit dem Vater sei. Auf dem vom Kaiser Constantin im Jahre 325 einberufenen Konzil von Nicäa prallten beide Ansichten aufeinander. Athanasius siegte. Es wurde eine Formel angenommen, die die Wesenseinheit von Gottvater und Gottsohn als verbindliche Kirchenlehre festlegte. Der Sieg des Athanasius war zunächst nur ein vorläufiger. In der östlichen Kirche neigten nach wie vor viele dem Arianismus zu. Die germanischen Stämme, zuerst die Goten, dann nach ihrem Vorbild alle anderen, mit Ausnahme der Franken waren Arianer. Athanasius führte weiter einen wechselvollen Kampf, wurde selbst mehrere Male verbannt und wieder zurückgerufen. Erst nach seinem Tode wurde 381 durch die Synode von Konstantinopel die Formel von der Wesensgleichheit von Gottvater, Gottsohn und heiligem Geist als festes Kirchengesetz bestätigt und damit das Dogma von der Dreieinigkeit (Trinität) Gottes endgültig festgelegt. Die germanischen Völker [mit Ausnahme Skandinaviens und Englands] wurden erst im 6. Jahrhundert vom Arianismus zum Katholizismus bekehrt."[3]

Die Bekehrung bei den Deutschen

Ein besonderes Ereignis stellt die Bekehrung des Frankenkönigs Chlodwig zum Katholizismus dar:

"Im 5. Jahrh. war die Lage für den Arianismus besonders günstig zu nennen. Die siegreich vordringenden Germanen hatten dieses Glaubensbekenntnis in dem größten Teile Europas zur Alleinherrschaft gebracht. Das katholische Italien war von allen Seiten von der ketzerischen Lehre bedrängt: die Wandalen in Afrika, die Westgoten in Spanien und Südfrankreich, die Burgunder und Alemannen im Norden schlossen einen eisernen Ring um das letzte Bollwerk der [..] Kirche, und hier waren die Ostgoten schon eingedrungen. Wenn die übrige heidnisch - germanische Welt, wie das zu erwarten war, auch durch die arianische Mission gewonnen worden wäre, wäre dadurch die Entscheidung zugunsten der arianischen Lehre gefallen und hätte die Geschichte des Abendlandes voraussichtlich einen ganz anderen Verlauf gehabt.
Chlodwigs Bekehrung zum Katholizismus bedeutet aber den entscheidenden Wendepunkt der Entwicklung; die Franken waren dazu ausersehen, das Schicksal Europas zu bestimmen. Was war der Grund, daß hier die orthodoxe Kirche den Sieg davontrug? Als die Franken sich in Gallien ansiedelten, fanden sie dort eine schon ziemlich starke kirchliche Organisation vor. Im Sturme der Völkerwanderung ist diese nicht vernichtet worden, wenngleich hier und da ihr Einfluß zurückgedrängt worden ist. Daß aber die Kirche sich behauptete, wird schon dadurch bewiesen, daß die mittelalterlichen Diözesen als geographisch bestimmte Verwaltungsbezirke die römischen Provinzen fortsetzen.
Die Franken waren also von Anfang an dem Einfluß der sie umgebenden katholischen Kirche ausgesetzt. Es ist selbstverständlich, daß [einige][4] Franken im Laufe der Zeit zu ihr übergetreten sind, während andere treu den altväterlichen heidnischen Glauben bewahrt hatten. Auch Chlodwig war ein Heide und mit Spannung wurde die Entscheidung erwartet, die die geschichtliche Lage von ihm forderte; von beiden Seiten versuchte man seine Wahl zu beeinflussen.
Auf der einen Seite stand Theodorich der Große, der gewissermaßen der Führer des arianischen Germanentums war und dem es deshalb viel daran gelegen sein mußte, die emporsteigende Macht der Franken in die antikatholische Front einzuschalten. Seine Heirat mit Augofleda, der Schwester Chlodwigs, diente natürlich ebenfalls dieser Politik und gestattete Theodorich auf seinen fränkischen Schwager den erwünschten Einfluß auszuüben. Diese Versuche schienen anfangs mit Erfolg gekörnt zu werden; Chlodwig gab seinem ältesten Sohn den Namen Theuderich und zeigte damit seine gothischen Sympathien.

Inzwischen hatte Chlodwig sich mit der katholischen burgundischen Prinzessin Chrodichilde verheiratet. Das bedeutete an sich noch gar keine Entscheidung und man darf sogar annehmen, daß Theodorich diese Verbindung gefördert hat. Man konnte aber in der katholischen Taufe seines ersten Sohnes aus dieser Ehe schon eine Andeutung für einen Wechsel in der fränkischen Politik erblicken; als aber bald darauf das Kind starb, mußte Chlodwig, aus seiner heidnischen Anschauung heraus, hierin den Zorn seiner Götter sehen. Trotzdem erhielt auch der zweite Sohn die katholische Taufe.
Die politische Klugheit des fränkischen Königs hat ihn die richtige Wahl zwischen den beiden christlichen Bekenntnissen treffen lassen. Denn innerpolitisch würde er sich durch den Übertritt zum Arianismus in einen verhängnisvollen Gegensatz zu dem romanischen Teil seiner Untertanen gestellt und dadurch eine ruhige Entwicklung seines Reiches gefährdet haben. Aber auch außerpolitisch war die Entscheidung nicht schwer; denn eine Auseinandersetzung mit den burgundischen und westgotischen Staaten in Gallien, die unweigerlich kommen mußte, würde ihm leichter gelingen, wenn er dabei auf die Sympathie, vielleicht sogar die Hilfe, ihrer katholischen Untertanen rechnen dürfte. Die Überlieferung bringt Chlodwigs Bekehrung mit der Schlacht von Zülpich in Zusammenhang. Als die Alemannen fast den Sieg errungen hatten, weihte sich Chlodwig Christus für den Fall, daß er das Schlachtfeld behaupten sollte. Aus dieser von Gregor von Tours überlieferten Geschichte geht hervor, daß Chlodwig in seinem Herzen schon bereit war, die Macht Christi höher als die seiner heidnischen Götter zu werten. Der glückliche Ausgang der Schlacht hat ihn in dieser Meinung nur befestigt; er hat sich bald darauf (wahrscheinlich 498) in Tours taufen lassen."[5]

Dahinter läßt sich auch mit einigem Recht christliche Propaganda vermuten. Die Geschichte vom biblischen Jefta dürfte Gregor von Tours bekannt gewesen sein. Das im alten Testament enthaltene 'Buch der Richter' erzählt die Geschichte, das der Heerführer Jefta in einer Schlacht in große Bedrängnis geriet und dem Gott Jahwe den Ersten zum Opfer bringen würde, der ihm auf seinem Siegeszug entgegenkommen würde, wenn er die Schlacht noch gewönne. Jefta gewinnt, und als erstes begrüßt ihn tragischerweise seine Tochter, sein einziges Kind, das er schweren Herzens aber seinem Schwur gemäß dem alttestamentarischen Gott 'schlachtet'. Nach dieser Tat umgibt Jefta - nun mit dem höchsten Amt 'Richter' bekleidet - ein unheimliches Grauen, das alle Gegner bereits erzittern läßt, sobald bekannt wird daß Jefta in eine Schlacht eingreift.[6]

Aus der biblischen Geschichte, die die Missionare sicher kannten, ließe sich leicht ein angeblicher Schwur Chlodwigs derivieren und die erste Vermutung wird noch gestärkt, weil die Dramatik der Chlodwiggeschichte gegenüber der Jeftageschichte nachlassend ist. Gleichzeitig konnte zu jener Zeit dem Volk (das die Jeftageschichte nicht kennen konnte) der Übertritt zum Katholizismus durch diese Geschichte plausibel gemacht werden. Gleichgültig dessen ob es diesen Schwur gegeben hat, die missionarische Rede davon verfehlte sicher nicht die propagandistische Wirkung, war Chlodwigs Taufe doch ein entscheidender (kirchenpolitischer) Wendepunkt, gekrönt von der nachfolgenden Taufe der Untertanen:

"Gregor von Tours behauptet, daß zugleich mit dem König 3000 Krieger die Taufe nahmen."[7]

Eine für die damalige Zeit typische, massenhafte „Solidaritätstaufe“, doch als politisches Signal darüber hinaus von ungeheurer Tragweite.

"Die Entscheidung zwischen Arianismus oder Katholizismus war jetzt gefallen... Die Vormachtstellung des fränkischen Königshauses wurde dadurch auch bedeutend gestärkt. Das liegt aber außerhalb unserer Behandlung des germanischen Heidentums. Nur ist noch abschließend zu bemerken, daß jetzt auch das Schicksal der noch heidnisch gebliebenen Germanen entschieden war, denn sie konnten jetzt das Christentum nur in der orthodoxen Gestalt annehmen."[8]

"Das Christentum schlug den heidnischen Germanen gegenüber ein doppeltes Verfahren ein. Das unduldsame Wort des Bischofs Remigius von Reims bei der Taufe des Frankenkönigs Chlodovech (496): ‘Beuge dein Haupt in Demut, stolzer Sigamber, und verehre von nun an, was du bisher verbranntest, und verbrenne, was du bisher verehrtest!’, darf als vorbildlich für die spätere Zeit gelten, in der die heidnischen Götter sämtlich für teuflische Mächte erklärt wurden, und die christlichen Missionare sich beeilten, die Heiligtümer zu vernichten und den heimischen Glauben und Brauch auszurotten. Zwar leugnete die Kirche die persönliche Existenz der für Götter gehaltenen Wesen durchaus nicht, aber auf Grund biblischer Stellen (wie Psalm 96, I. Kor. 10 21-22) wurden sie als Dämonen bezeichnet. Ihre Verehrung wurde Teufelsdienst; die deutschen Götter wurden direkt als böse Geister bezeichnet. 'Entsagst du den Unholden?' fragt das ostfränkische Taufgelöbnis des 7.Jhds., und der Täufling antwortet: 'ich entsage'. Die Opfer, die er seinen Göttern gebracht hatte, mußte er aufgeben."[9]

"Von da an nahm der Einfluß des Arianismus nach und nach ab, und wurde die Einheit des Christentums unter den Germanen, mit einer einzigen Ausnahme, vorläufig nicht mehr bedroht. Nur in England kam es zu einer gefährlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Richtungen. Dort war die Missionsarbeit fast zu gleicher Zeit sowohl von Rom (Augustinus 597 in Kent) als von der irischen Kirche, die weit von den festländischen Ereignissen eine Sonderentwicklung durchgemacht hatte, unternommen worden. Nach einem ziemlich schnellen Wachstum (sei es auch nicht ohne Rückschläge) standen sich die beiden Richtungen 664 auf dem Konzil von Whitby gegenüber: dort fiel die Entscheidung zugunsten Roms und gegen den irischen Partikularismus."[10]

"Ein Jahrhundert nach Chlodwigs Bekehrung wurde die Missionsarbeit in England in Angriff genommen: Papst Gregor der Große sandte 596 Bischof Augustin dorthin mit dem Auftrag, das Volk für die orthodoxe Kirche zu gewinnen. König Ethelberht war mit einer fränkischen Prinzessin verheiratet, der es gestattet war, in der Residenz Canterbury einen katholischen Hofgottesdienst einzurichten. Hier waren sogar noch christliche Kirchen aus der römischen Zeit erhalten geblieben. Augustin konnte bald große Erfolge melden; schon fünf Jahre später hat König Ethelberht den christlichen Glauben angenommen.
Aber tiefe Wurzeln hatte die neue Religion noch nicht im Herzen des Volkes geschlagen; denn nach des Königs Tod 616 folgte eine scharfe heidnische Reaktion, die die schon errungenen Vorteile wieder rückgängig mache. Die Bischöfe von Rochester und London mußten zu den Franken fliehen, und nur mit Mühe wurden die in Kent gewonnene Stellungen behauptet, während Essex preisgegeben werden mußte.
Ein neuer Vorstoß der christlichen Mission gelang aber bald darauf in Northumbrien. Die Landschaft hatte unter den englischen Stämmen eine Vormachtstellung erobert, die in der Macht des Königs Edwin gipfelte. Als dieser 625 Ethelberga, die Tochter Ethelberhts von Kent, heiratete, brachte sie in ihrer Begleitung den Geistlichen Paulinus mit, der zum ersten Bischof von York geweiht wurde und dem es schon 627 gelang, den König und die vornehmsten Adligen zu bekehren; bald darauf wurde auch das Volk massenhaft getauft.
Merkwürdigerweise bedeutet auch hier der Tod des Königs wieder einen Rückfall in das Heidentum; 633 mußten die Königin und Paulinus nach Kent fliehen. Damit war die Verbreitung des Christentums vorläufig unterbrochen."[11]

Ebenfalls merkwürdigerweise waren auch hier - wie auch bei Chlodwig - die Frauen maßgeblich an der Verbreitung des Glaubens beteiligt, indem sie die männlichen politischen Machthaber in ihrem (neuen) Sinne beeinflußten. In gleicher Weise waren auch die Frauen im alten Rom besonders anfällig für die christliche Missionierung[12]. Massentaufen dagegen waren zur damaligen Zeit nicht selten. Sie wurzelten in der heidnischen Auffassung, das der Fürst oder König nicht einem anderen Kult - und damit einer anderen Anschauung angehören durfte als das Volk - denn in dem Fall hätte es keine Gemeinschaft mehr gegeben. Die Fürstenschicht hat gerade durch solche Massen - oder Solidaritätstaufen stark zur Bekehrung beigetragen. Die christliche Mission suchte denn auch gerade als erstes die Könige zu gewinnen, den Zugang erhielten sie nicht selten durch die vorherige Beeinflussung der fürstlichen Frauen. Selbst wenn es immer wieder zu großen heidnischen Reaktionen kam und diese gab es bis in das Jahr 1120 in Schweden[13], die heidnische Kultusgemeinde wurde weiter geschwächt und der religiöse (wie politische) Einfluß ging allmählich zur Kirche über. Das aber die inhaltliche Annahme des Christentums durch die Massentaufen im Volk nur oberflächlich blieb, braucht wohl kaum betont zu werden.

"Der indiculus superstitionum et paganarium (vgl. unten) zeigt uns, wie vieles vom alten Götter und Zauberglauben noch immer fortlebte und durch harte Strafmaßnahmen ausgerottet werden mußte."[14]

Ein besonders trauriges Kapitel der Bekehrungsgeschichte ist das Vorgehen des katholisch - fränkischen Kaisers Karl „des Großen“ gegen die noch heidnischen Sachsen.

"Ganz anders war die Bekehrungsgeschichte der Sachsen. Hier wurde der Sieg des Christentums durch die eiserne Faust des fränkischen Königs erzwungen, und das sächsische Volk mußte einen erbitterten Kampf gegen die neue Religion führen, um seine Freiheit zu bewahren. Fast dreißig Jahre lang (772-804) hat der Krieg gedauert, in dem manchmal blinde Zerstörungswut zutage tritt. Den Anfang bildet 772 schon die Vernichtung der Irminsul, wo durch das Heidentum in einem seiner vornehmsten Kultstätten empfindlich getroffen wurde. Wiederholt mußte Karl der Große mit seinem Heer das Land der Sachsen 'zur Ruhe bringen' und es ist ein deutliches Zeichen für den Charakter dieser Kriegszüge, daß sie in Massenbekehrungen ihren Abschluß fanden. Das war der Fall 776 an der Lippe, 777 in Paderborn, 779 - 780 an Weser und Ocker. Zu welchen Grausamkeiten der immer erneuerte Krieg schließlich führte, zeigen das Blutbad von Verden (782), wo mehr als 4500 sächische Edle an einem Tage [!] enthauptet wurden und die Zwangsdeportationen von Tausenden aus dem Gebiet jenseits der Elbe. Mit der Taufe Widukinds 785 ist die Niederlage des sächischen Volkes offenkundig, aber es dauerte noch zwei Jahrzehnte ehe man das Heidentum als endgültig überwunden betrachten konnte."[15]

4500 führende Stammeskrieger zu enthaupten - kann man aus heutiger Sicht nur mit dem neuen Begriff Genozid beschreiben, insbesondere wenn wenn man die Zahl der Stammesmitglieder von urprünglich einigen zehntausend auf heutige Bevölkerungsverhältnisse hochrechnen würde[16]. Der Grund lag wohlgemerkt: in der Ablehnung der Annahme des christlichen Glaubens und nicht etwa in Raub, Mord, Kinderschändung oder Steuerhinterziehung. Damit ist die christliche Mission schon aufs treffendste markiert: ihre Ablehnung war ein schlimmeres Vergehen als Mord. Die Entscheidung zur Beibehaltung des alten Glaubens allein rechtfertigte einen dauerhaften Krieg über Jahrzehnte und bereits geringste Abweichungen von der christlichen Vorschrift konnte für die Besiegten nun den Tod bedeuten.

"In der sächsischen Taufformel von ca. 790 nZ. wird allen Werken und Worten des Teufels entsagt, dem Donar, Wodan, Saxnot (= Tius / Tyr) und allen Unholden, die ihre Genossen sind. So ist die Gestalt des Teufels, wie sie im Volksglauben lebt, reich an Zügen entstellten deutschen Heidentums.[17] Namentlich in Norddeutschland ist die Kirche mit furchtbarer Rücksichtslosigkeit vorgegangen. Unerbittliche Strenge spricht aus den Verordnungen Karls d. Gr. vom Jahre 787 / 8: die capitula: quae de partibus Saxoniae constituta sunt, setzen auf:

[1.] Mord von Priestern Todesstrafen ohne das Wergeld [= finanzielle Kompensation] zuzulassen, ebenso [2.] auf Menschenopfer [= die Hinrichtung von Verbrechern durch den Stamm, also ein Eingriff in Souveränität und Rechtsprechung], [ebenso Todesstrafe bei:] [3.] Bündnisse mit Heiden, [4.] Raub und Zerstörung von Kirchen, ja auf [5.] Verweigerung der Taufe, [6.] Verharren im Heidentum, [7.] Leichenverbrennung [heidnische Sitte] und [8. sogar die Todesstrafe bei:] Fastenbruch [der passiven Ablehnung der christlichen Sitte]. In acht Artikeln zum Schutze des Christentums kehrt der schaurige Refrain wieder: ‚der soll des Todes sterben’.

In einem besonderen Verzeichnisse werden auf das sorgfältigste alle heidnischen Gebräuche und Opfer aufgezählt, deren völlige Unterdrückung durchgeführt werden soll. Dieser Indiculus superstionum et paganiarum [Verzeichnis heidnischer abergläubischer Gebräuche und Meinungen - wobei Aberglaube für die Christen mit Heidentum gleichgesetzt wurde]; etwa vom Jahre 800 reiht in knapper Fassung 30 Punkte nebeneinander und scheint zum Amtsgebrauche der königlichen Sendboten oder Bischöfe für ihre Visitationsreisen gegeben zu sein, vermutlich bestimmt für friesische, den sächsischen benachbarte Gaue [Bezirke]. Aber trotz Feuer und Schwert gelang es nicht die alten heiligen Gebräuche gänzlich auszurotten."[18]

Wir finden überall die Schändung der heidnischen Kultstätten als das vornehmste Ziel der christlichen Missionare , wobei sich besonders der berüchtigte Bonifatius hervortut. Er findet 754 den 'Märtyrertod', "...eine würdige Bekrönung dieser ganz dem Dienst des Glaubens gewidmeten Lebens, zugleich aber auch ein Beweis für den sturen Widerstand der Friesen"[19], ... die sich einfach nicht bekehren lassen wollten. Welche seltsamen Blüten die Mission trieb, ersehen wir auch an dem Beispiel des englischen Königs Edwin:

"König Edwin von Norhumberland hat einen großen Gottestempel bei York, der von einem manneshohen Zaune umgeben ist. Um ihm die Ohnmacht seiner Heidengötter zu zeigen, sprengt sein für den Christenglauben gewonnener Oberpriester, der als heidnischer Priester niemals ein Pferd bestiegen hatte, [und denen das Tragen von Waffen nicht erlaubt war] auf dem Streithengste des Königs gegen den Tempel und schleudert einen Speer hinein; dann wird das alte Heiligtum samt seinem Heckenzaune, seinen Altären und Götterbildern den Flammen übergeben (im Jahre 627, Beda, Hist. ecc. 2 ).[20]

Dies ist nur ein Beispiel unter vielen ähnlichen, in denen nicht die vermeintliche Größe des Christentums zutage tritt, sondern lediglich der Wille zur Vernichtung des Heidentums. Selbstredend wäre eine umgekehrte Demonstration der Ohnmacht des Christengottes ebenso erfolgreich gewesen.
Zahlreiche Verbote der Kirche kämpften gegen die Verehrung von Quellen, Steinen, einzelnen Bäumen. Bonifatius ließ bei Geismar einen Baum von riesenhafter Größe fällen, der von der Bevölkerung Donareiche genannt wurde. Es scheint einige Mühe gekostet zu haben und nur unter militärischem Schutz möglich gewesen zu sein den mächtigen Baum umzulegen. Statt der Eiche erhob sich dann - vermutlich aus dem Holz des Baumes - eine dem Petrus geweihte, christliche Kultstätte. In ähnlicher Weise wurden auf den vormals heidnischen Kultstätten zumeist Kirchen gebaut - meist dem zentralen Platz des Dorfes - der in der Regel der Gemeinde auch als Kultstätte diente.[21] Dort wurden ursprüglich Dingversammlungen (demokrati­sche Vesammlungen des Stammes) abgehalten und gemeinsame Opferfeste (Festmahle) gefeiert.[22] Die Bekehrung in zeitlicher Abfolge, wobei sie sich vom Süden immer weiter nach Norden bewegt, gibt Aufschluß über das politische, machtorientierte Vorgehen. Dabei bekehrten nun diejenigen, die zuvor bezwungen wurden in gleicher Weise die noch zu bekehrenden.

Die Bekehrung Skandinaviens

"Wenn wir uns jetzt der Bekehrungsgeschichte Skaninaviens zuwenden, werden wir den Anfang bei den Dänen und Schweden machen. Hier wurde die Mission von einer ganz anderen Seite in Angriff genommen als in Norwegen und dementsprechend war auch ihr Verlauf verschieden. Wenn wir von dem Bekehrungsversuch, den Willebrord um 700 in Jütland gemacht hat und der wohl ohne nennenswerten Erfolg geblieben ist, absehen, so fängt die eigentliche missionierende Tätigkeit erst 830 mit Anskars Reise nach Dänemark und Schweden an. Sie ist aber zunächst nur ein Glied der politischen Bestebungen der fränkischen Herrscher, die darauf hinausgingen, die dänische Macht, welche sich an der ostelbischen Grenze unter der Regierung Godfreds gefährlich ausdehnte und die fränkischen Küsten mit Krieg überzog, zu schwächen. Das beste Mittel dazu war, das Heidentum zu brechen und an dessen Stelle das Christentum zu verbreiten, damit die Dänen ihre feindselige Haltung aufgeben sollten.
Als Anskar 831 zurückkehrt, nachdem er auch in Schweden mit Erfolg wirksam gewesen war, wird das Erzbistum Hamburg errichtet, damit die Mission mit wachsender Kraft fortgesetzt werden konnte.Die Reaktion blieb nicht aus. Schon 834 fand der erste Wikingerüberfall auf Dorestad statt, das in den folgenden Jahren wiederholt aufs schrecklichste heimgesucht wurde. Mit immer größerem Erfolg wagen sich die dänischen Flotten an die fränkischen Küsten und 845 wird Hamburg so gründlich geplündert und zerstört, daß der Bischofssitz nach Bremen verlegt werden mußte.
Erst im Laufe des 10, Jahrh.s wird dem Christentum durch das energische Eingreifen deutscher Kaiser zum Sieg verholfen. Als unter dem König Gormr dem Alten, der die Teilreiche vereinigte und über ganz Dänemark herrschte, wieder ein heidnischer Rückschlag eintrat, rüstete Heinrich I. 934 zum Krieg und zwang den dänischen König, den christlichen Glauben anzuerkennen. Der Erzbischof Unni (919-936) benutzte diese Gelegenheit, seine Wirksamkeit bis nach Schweden auszudehnen, aber er starb während seiner Reise. Erst unter Gorms Sohn Harald gelangt die Bekehrung in Dänemark zu einem befriedigenden Abschluß."[23]

Wie sich das gestaltete, ließt sich wie folgt:

„Erst um 985 konnte der dänische König Harald Blauzahn auf die Runensteine von Jelling (Jütland) schreiben lassen; er habe ‘ganz Dänemark und Norwegen unterworfen und die Dänen zu Christen gemacht.’
In Westskandinavien hat sich die Bekehrung ganz anders gestaltet. Nicht durch das Eingreifen einer fremden politischen Macht, sondern durch das energische Einschreiten der eigenen Fürsten wurde hier das Christentum verbreitet. Aber schon früh hat die enge Berührung der norwegischen Wikinger mit der Bevölkerung der britannischen Inseln zur Folge gehabt, daß sich der christliche Glaube unter den skandinavischen Kolonisten in England und Irland verbreitete und von dorther auch in dem alten Stammlande Einfluß gewann. Aber im großen ganzen bekommt man den Eindruck, daß die ländliche Bevölkerung Norwegens zähe den Glauben der Väter behauptete und jeden Bekehrungsversuch schroff ablehnte. Politische Motive bestimmen hier oft die Entscheidung für oder gegen das Christentum. Denn da hier die Könige gerade die Vorkämpfer des neuen Glaubens gewesen sind, haben im ständigen Kräftespiel zwischen der königlichen Gewalt und der Macht der freigeborenen Großbauern gerade diese letzteren in dem Glauben ihrer Vorfahren den Grundstein der alten gesellschaftlichen Organisation gesehen. Daher zeigt die Bekehrung in Norwegen das Bild eines politischen und kulturellen Kampfes, aus dem die moderne Königsmacht als Sieger hervorgegangen ist.
Als Hakon von seinem Vater Haraldr inn harfagri zum englischen König Aethelstan geschickt wurde, um an dessen Hof, wo damals auch der spätere König Frankreichs Ludwig IV. verweilte, erzogen zu werden, kam er in innnige Berührung mit dem Christentum. Im Jahre 934 kehrte er nach Norwegen zurück mit dem festen Entschluß, seinem Volke auch den neue Glauben zu verkünden. Mit Freude wurde er empfangen, und als er seine Regierung damit anfing, den Bauern ihr Odal zurückzugeben, glaubten diese, daß ‘sie den Himmel in den Händen hätten’. Er hatte Priester nach Norwegen mitgenommen und ließ einige Kirchen weihen. Als er aber die Bauern in Trondheim dazu aufforderte, das Christentum anzunehmen, haben sie die Entscheidung auf dem Frostuthing[24] herbeiführen wollen und dort hat der König erfahren, daß er das Bauernvolk nicht mit guten Worten überreden konnte. Auf dem nächsten Opferfest zu Hladir konnte ihn nur die Klugheit des Jarl Sigurd vor einem Ausbruch der Volkswut bewahren; er wurde dazu gezwungen, das Opferhorn zu leeren und den Dampf aus dem Opferkessel einzuatmen. Er hat sich damit begnügen müssen, im stillen als Christ zu leben und es nicht mehr gewagt, das Volk mit Gewalt zu bekehren. In dieser schwierigen Lage hat der König sich so klug betragen, daß dieser Hakon Adelsteinsfostri im Andenken seines Volkes als Hakon der Gute weiterlebte und ein Dichter nach seinem Tode ein Lied dichten konnte, in dem er beschrieb, wie er feierlich von Odin in Walhalla empfangen wurde...."[25]

"Aus England hatte er [der norwegische König Olaf Tryggvason] mehrere Priester mitgenommen, unter denen ein Bischof Siguro (oder Johannes) und die Priester Thangbrandr (Dankbrand) und Thormodr erwähnt werden. In einigen wenigen Jahren (996-999) gelingt es ihm, das ganze norwegische Volk zum Christentum zu bekehren, anfangend mit dem Süden und schließlich in Trondheim und Halogaland [= Helgoland] endigend. Der schnelle Erfolg erklärt sich aber durch die von ihm gewählte Methode: die sich nicht von den heidnischen Göttern lossagen wollten, wurden streng bestraft; sie wurden getötet, verstümmelt oder aus dem Lande vertrieben.

Diese Methode zeigt eine merkwürdige Übereinstimmung Wladimirs Auftreten in Rußland. Als dieser 989 vom Bischof Cherson die Taufe empfangen hatte, zwang er seine Untertanen zum Christentum überzutreten. Die Kiewer Chronik gibt von dieser Christianisierung ein recht anschauliches Bild. Als Wladimir dorthin zurück gekehrt war, ließ er alle Götzenbilder umstürzen und vernichten. Das Bild des vornehmsten Gottes Perun ließ er an den Schweif eines Rosses und zum Dnjepr schleifen, während es von zwölf Männern unaufhörlich mit Stöcken geschlagen wurde. Dann wurden alle Einwohner in den Strom getrieben, und während sie dort bis an den Hals oder die Brust im Wasser standen, von den Priestern getauft."[26]

Es wird sicherlich nicht ratsam gewesen sein sich der Zeremonie zu widersetzen.

"Daß die Christianisierung aber nur sehr oberflächlich und von einem großen Teil des Volkes der neue Glaube nur mit Widerwillen angenommen war, ist selbstverständlich, und es sollte noch viele Jahre dauern, ehe eine wirkliche christliche Gesinnung sich in Norwegen verbreitet.[27] Unter Olafs Nachfolgern, den Söhnen von Jarl Hakon, die wohl schon Christen waren, aber sich aus politischen Rücksichten in Glaubenssachen sehr tolerant zeigten, hat sich das Heidentum von den ihm beigebrachten Schlägen wieder erholen können. Bald aber bemächtigte sich Olafr Haraldsson der Regierung und dieser Fürst, der von der [christl.] dankbaren Nachwelt als der Heilige verehrt wurde, hat in der kurzen Zeit seiner Herrschaft (1014-1030) das Werk seines Namensvetters vollendet. Freilich hat er auch mit schonungsloser Grausamkeit das 'compelle intare' in Anwendung gebracht und schließlich einen Teil des Volkes so sehr gegen sich eingenommen, daß es den Intrigen des dänischen Königs Knut ein williges Ohr lieh und sich gegen den eigenen König empörte. In der Schlacht von Stiklastadir (1030) wurde der König getötet und das Bauernheer trug den Sieg davon. Aber Olafs Lebenswerk hat dennoch reiche Früchte getragen; denn mochte auch am Ende seines Lebens seine Herrschaft zusammensinken, nach seinem Tode hat er als Heiliger seinem Volke auf dem Wege zur endgültigen Christianisierung siegreich vorangeleuchtet."[28]

Die zuletzt von deVries gewählen Worte, die ich ungekürzt über nommen habe, entbehren nicht einer gewissen unfreiwilligen Satire. Der Autor läßt auch an anderer Stelle - trotz einer brillianten Forschungsarbeit - keinen Zweifel an seinem christlichen Bekenntnis. Das Zitat habe ich ohne Kürzungen übernommen. Eine Verehrung Olafs als (Kirchen-) Heiliger einerseits und die Anwendung schonungsloser Grausamkeit paßt nicht recht zusammen. Dankbar werden Olaf denn wohl besonders die Prälaten gewesen sein.

Die Bekehrung Islands

Wir kommen nun zur Bekehrung Islands, womit aus „offizieller“ Sicht der Kirche die Bekehrung ihren Abschluß erhält. Dabei spielt das Datum 1000 offenbar die entscheidende Rolle, denn wie wir bereits hörten, kam es in Schweden noch etwa zweihundert Jahre später zu heidnischen Reaktionen. Da wir unsere Kenntnis der heidnischen Anschauungen zu großen Teilen der isländischen Überlieferung verdanken, die mindestens bis in das 10. Jahrhundert „offiziell“ heidnisch geblieben ist, lohnt sich ein weiterer Blick auf die isländische Bekehrung. Auch hier findet sie auf politisch - militärischen Druck hin statt. Eine Wahl hatten die Isländer wie auch die meisten anderen heidnischen Stämme nicht.

"Als Ganzes ist das isländische Volk bis in das 10.Jahrh. heidnisch geblieben. Merkwürdigerweise greift die christliche Mission erst ziemlich spät nach Island hinüber. Der erste Versuch wird von einem Isländer Thorvaldr Kodransson veranlaßt, der von einer Reise ins Ausland zurückkehrte (981). Fünf Jahre hat dieser auf Island verweilt und das Christentum im westlichen Teil der Insel verbreitet; als er aber mit seinen Gefährten den Versuch wagte, den neuen Glauben auf dem Allding zu predigen, wurde die heidnische Partei zu energischer Abwehr gereizt, und als Thorvaldr, durch eine schimpfliche Neidstrophe aufgebraucht, zwei Menschen tötete, wurde er und seine Gefährten verurteilt, das Land zu verlassen. Vergebens war aber des Priesters Arbeit keineswegs gewesen: von Thorvadr Spakbodvarsson wird berichtet, daß er auf seinem Gehöft eine Kirche bauen ließ."[29]

Eine ‚Neidstrophe’ war eine durch die Dichtung geäußerte Meinung. Wahrscheinlich hat sich der Verfasser abschätzig über den Christengott geäußert. Für den christlichen Priester Anlaß genug zwei Menschen zu töten. Statt zur Rechenschaft gezogen zu werden, wird er lediglich verurteilt das Land zu verlassen. Wäre die heidnische Verfassung noch stark genug gewesen, wäre er wohl nicht so glimpflich davongekommen. Das zeigt aber, das das Christentum durch die politischen Ambitionen bedeutender Fürsten bereits sehr einflußreich war.

"Vorläufig ruhte die Missionsarbeit dann wieder, bis Olafr Tryggvason die Christianisierung der Insel als Glied seiner Bekehrungsbestrebungen in Norwegen wieder aufnahm. Sobald er als König anerkannt war, sandte er einen gewissen Stefnir Thorgilsson, der kurz vorher in Dänemark getauft worden war, nach Island; aber dieser hatte gar keinen Erfolg, weil er mit Gewalt die heidnischen Heiligtümer zu zerstören versuchte und deshalb die Bevölkerung feindselig gegen sich stimmte; er [...] mußte Island verlassen; auf dem Allding war ein Gesetz angenommen worden, daß jeder, der über die Götter lästerte oder ihnen Schaden zufügte, aus dem Lande verwiesen werden sollte. Mit dem folgenden Missionar hatte Olafr eine bessere Wahl getroffen.
Noch während Stefnirs Besuch auf Island war es dem König gelungen einige junge Isländer vornehmen Geschlechts, die in Norwegen verweilten (unter ihnen Kjartan Olafsson, Bolli Thorleiksson und Hallfroor Ottarsson) zu bekehren; dadurch wurde allmählich die Zahl derjenigen, die dem neuen Glauben gewogen waren größer. Deshalb glaubte Olaf schon 997 einen zweiten Versuch machen zu können, und er sandte [den] deutschen Priester [Dankbrand] nach Island. Dieser Mann hatte im Anfang das Glück den einflußreichen Häuptling Sidu-Hallr zu bekehren und bald folgten ihm mehrere andere, obgleich auch die Zeichen eines wachsenden Widerwillens seitens der Heiden offenkundig waren. Auf dem Allding im Jahre 999 wurde der neue Glaube mit vielem Eifer diskutiert; als aber Hjalti Skeggjason so unvorsichtig war, in einem Schimpflied die Götter zu beleidigen, wurde er auf Grund des obenerwähnten Gesetzes zur Verbannung verurteilt. [Dank­brand...] hatte kurz vorher Island schon verlassen.
Im ersten Aufwallen des Zornes wollte der König die Isländer die in Nidaros waren, töten lassen; er wurde aber durch Hjalti Skeggjason und Gissur Hviti Teitsson beschwichtigt, indem sie auf sich nahmen, die Isländer zum Christentum zu bekehren; einige der vornehmsten Männer sollten aber als Geisel in Norwegen zurückbleiben. Als nun Gissur und Hjalti im nächsten Jahre (1000) nach Island zurückkehrten, bringen sie auf dem Allding des Königs Botschaft vor. Beide Parteien stehen einander schroff gegenüber und sind zu Gewalttaten bereit. Dann aber wird die Entscheidung in die Hände des klugen Gesetzsprechers Thorgeirr Ljosvetningagodi gelegt, der nach reiflicher Überlegung einen Vorschlag machte, der von den Dingleuten gutgeheißen wurde. Es sollte fortan, wie das früher auch immer der Fall gewesen war, auf Island nur ein Gesetz und ein Glaube gelten[30], deshalb sollte jeder die christliche Taufe empfangen. Damit aber den Heiden, die vor diese überraschende Entscheidung gestellt wurden, der Übertritt erleichtert würde, wurden einige Übergangsbestimmungen gemacht; es war nicht strafbar, wenn man den heidnischen Göttern im Geheimen weiter opferte, und das Aussetzen der Kinder [von Säuglingen] sowie das Essen von Pferdefleisch[31] wurde gestattet.
Offenbar haben hier wieder politische Überlegungen zu der Entscheidung geführt. Um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, war es notwendig, daß auf Island nur ein Glauben galt. Überdies würde die Aufrechterhaltung des Heidentums dem norwegischen König einen Vorwand gegeben haben, sich in die Angelegenheiten Islands einzumischen; um dem vorzubeugen, hat der Gode Thorgeirr, obgleich er selber noch Heide war, die unter diesen Umständen einzig richtige Wahl getroffen."[32]

Bemerkenswert in dieser kurzen Darstellung der Bekehrung ist, daß sich die Entwicklung und Verbreitung des Christentums in gewissen Schüben vollzieht. Dabei sind die Bekehrer zuvor Bekehrte, die mit den gleichen militanten Mitteln agieren, wie es bei ihrer zurückliegenden Bekehrung der Fall war. Einige Zeit nach der politischen Einigung (bzw. der umfassenden Christianisierung) besiegt der deutsche Kaiser Otto der I. die heidnischen Dänen. Kaum das sich dort das Christentum gefestigt hat, brüstet sich der dänische König Harald damit, ganz Dänemark und Norwegen unterworfen und bekehrt zu haben. Schließlich der nunmehr christliche, norwegische König Olaf Tryggvason setzt alles daran nicht nur die Norweger zu bekehren; auch Island darf nicht heidnisch bleiben:

Gerade ist der eine christlich geworden, schon muß er den Glauben dem nächsten aufzwingen. Von einer friedlichen Entwicklung durch Vorbild und Predigt (wie u.a. deVries entgegen seinen eigenen Forschungsergebnissen gerne glauben will) kann nicht die Rede sein; die geschichtlichen Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache.

Was man politische Einigung nannte, bedeutete in der Regel Zentralisation der Fürstengewalt und Beschneidung von Rechten der nun zu Untertanen gewordenen, zuvor selbstbestimmten Stammesmitglieder. Außerdem wurde der kriegführende Fürst - der ehemalige, für die einzelne Unternehmung gewählte Heerführer - nun zum Alleinherrscher, weil er die einmal gewonnene Macht nicht mehr aus den Händen geben mußte. War er früher dem Stamm 'verpflichtet', und hätte normalerweise seine Macht aus der kriegerischen Unternehmung nach dessen Beendigung an den gesamten Stamm - und damit an den Friedensvorsteher - den eigentlichen Häuptling (den 'König'[33]) übergeben müssen, so konnte er nun, im Umbruch der politischen Machtverhältnisse souverän entscheiden. Damit wurden aus den ursprünglichen Heerführern die ersten alleinherrschenden Regenten. Selbstredend unter maßgeblichem Einfluß der erstarkenden neuen Macht, der Kirche.
Während im Stammesverbund ein Amt wie des Friedensvorstehers durch Wahl des Stammes auf der Dingversammlung herbeigeführt werden mußte (bzw. von den Mitgliedern der jeweiligen Sippe als ihr Sprecher bestimmt wurde), so wurden nun die (Staats-) Ämter durch den neuen Regenten nach Gutdünken und Sympathie verteilt.

"Während sonst freigelaßne Sklaven eine untergeordete Stellung einnahmen, weil sie keiner Gens [Sippe / Clan] angehören konnten, kamen solche Günstlinge bei den neuen Königen oft zu Rang, Reichtum und Ehren. Gleiches geschah nach der Eroberung des Römerreichs von den nun zu Königen großer Länder gewordnen Heerführern. Bei den Franken spielten Sklaven und Freigelaßne des Königs erst am Hof, dann im Staat eine große Rolle; zum großen Teil stammt der neue Adel von ihnen ab."[34]

"Die Heerführer wurden ohne Rücksicht auf Abstammung, bloß nach der Tüchtigkeit gewählt. Sie hatten wenig Gewalt und mußten durchs Beispiel wirken; die eigentliche Disziplinargewalt[35] beim Heer legt Tacitus ausdrücklich den Priestern bei. Die wirkliche Macht lag bei der Volksversammlung. Der König oder Stammesvorsteher präsidiert; das Volk entscheidet - nein: durch Murren; ja: durch Akklamation und Waffenlärm."[36]

"Die Bekehrung hat bei den germanischen Stämmen auf sehr verschiedene Weise stattgefunden. Wir haben davon gesprochen, daß die von Kleingoten in Mösien [um 300] ausgehende Missionstätigkeit sich durch die überzeugende Kraft des inbrünstigen Glaubens kennzeichnet. Politische Machtmittel hatte das bedeutungslose Völkchen natürlich gar nicht, es konnte sich nur auf das Wort der Evangelien stützten. Um so bedeutsamer ist es, daß viele Stämme von dieser Mission ergriffen wurden; bis tief nach Deutschland hinein hat sich ihr Einfluß erstreckt. Das Bild der arianischen Bekehrung ist deshalb auch im großen ganzen sehr erfreulich; wir hören nichts von Gewaltmaßnahmen weder von heidnischer noch von christlicher Seite und obgleich das der Dürftigkeit unserer Quellen zugeschrieben werden kann, die aus orthodoxer Feder geflossen für die Erfolge der arianischen Mission kein Interesse zeigten, darf man hier das Stillschweigen als beweisend annehmen.
Das folgt schon daraus, daß der germanische Glaube, undogmatisch und formalistisch wie er war, anderen Religionen gegenüber eine sehr weitgehende Toleranz zeigte. Deshalb wurden der Mission, wofern sie nicht selbst zum Angriff schritt, keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt. Sobald aber der Missionar heilige Bäume fällen ließ (wie Bonifatius bei Geismar) oder heilige Quellen verunreinigte (wie Willebrord auf Helgoland), erhob sich das empörte Volk zu einer gewalttätigen Abwehr."[37]

Die Aussage de Vries, daß ‘die Mission die Gewalttat manchmal nicht gescheut hat’, ist vielleicht die Untertreibung des Jahrtausends. Denn Mord, Folter und Unterdrückung vielfältigster Art waren für die Heiden der Bekehrungszeit für Jahrzehnte und Jahrhunderte ein fester Bestandteil des Lebens geworden. Wir müssen daher - nicht nur aufgrund dieser historischen Beispiele -, die ‘christliche Gesinnung’ durchaus im ambivalenten Verhältnis sehen; es wird der Kirche nicht gerecht, ihr Wirken mit ausschließlich positiven Assoziationen zu belegen.

"Nicht weniger schlimm trieben[38] es die beiden Olafe in Norwegen, die ihre eigene Untertanen töten oder verstümmeln ließen, wenn sie sich ihrem Bekehrungsbefehl widersetzten. Ausgesuchte Martern haben sie über die Widerspenstigen verhängt. Olafr Tryggvason soll einem gewissen Raudr den Mund aufgesperrt haben, um mit einer glühenden Stange ihm eine Schlange in den Körper zu treiben (Hkr I, 400-401). Noch schlimmer aber behandelte er Eyvindr kinnrifa, dem er ein Becken mit glühenden Kohlen auf den Bauch setzen ließ und ihn so zu Tode marterte (Hkr I. 394). Wir können diese und andere unmenschliche Grausamkeiten wenn nicht entschuldigen, doch wenigstens erklären, wenn wir beachten, wie man damals urteilte. Die Christen betrachteten ja die heidnischen Götter als teuflische Geister, die die Menschen mit ihren höllischen Lehren verstrickten, aber den Satan soll man mit Belzebub austreiben."[39]

Satan, - Belzebub, welche Gesinnung sollte sie wohl haben, wenn nicht die christliche? Von 'Satan', oder 'Teufel' hat das Heidentum nie gesprochen, es kannte kaum sinngemäß das, was die Christen damit verbanden. Erst die Missionare haben damit den Teufel mit sich - und damit eigentlich in die vormals heidnische Welt gebracht.[40] Wenn wir also von christlicher Gesinnung sprechen, dann auch von der dunklen Seite. Nun ist es keine Entschuldigung, aber auch keine Erklärung, das die Christen sich die „heidnischen Götter als teuflische Geister vorstellten,“ denn es wurde kein ernsthafter Versuch der Mission unternommen die Götter in einem anderen Licht als diesem zu sehen. Der Hinweis auf die Legitimation der Mission, daß fremde Götter nur teuflische Dämonensein konnten, zeigt uns ja, wie befangen die Bekehrer waren. Auch der Hinweis auf den Glauben, daß sie die Bibel als Gottes eigenes Wort betrachteten und deshalb so handeln mußten, entschuldigt nichts. Genau genommen erklärt es nur den Vorwand des Mörders. Die wahre Motivation lag in der Aufoktroyierung der ausschließlichen Herrschaft. Wer sich dem widersetzte, konnte keine Gnade erwarten.

Wie verhielten sich dazu die Heiden, die bekehrt werden sollten?

"Die Zahl der Blutzeugen für das christliche Bekenntnis ist erstaunlich gering. Natürlich haben die kirchlichen Schriftsteller versucht, die Märtyrerkrone den von ihnen verherrlichten christlichen Predigern um die Schläfe zu winden, aber trotzdem bot sich dazu nur selten Gelegenheit. Die schlimmsten Fälle sind die Ermordung des Bonifatius mit etwa 50 Begleitern am 5.Juni 755 bei Dokkum und der Tod des hl. Sabas, der Priester Wereka und Batwin samt 24 Genossen bei den Westgoten. Aber in dem ersterwähnten Fall hatten die Friesen alle Veranlassung, die Tätigkeit des Bonifatius als einen gefährliche Vorstoß der fränkischen Politik zu argwöhnen, während die heidnische Reaktion unter Athanarich ebenfalls im Dienste einer kräftigen nationalen Politik stand.
Demgegenüber ist es bei den Angelsachsen und Franken gar nicht zu Martyrien gekommen. Bezeichnend ist auch das Verhältnis bei den Sachsen. Vor 714 wurden dort der schwarze und weiße Ewald getötet, 282 im Gau Leri der Priester Folkhard und der Graf Emmiggo, am Jadebusen Benjamin, in Ditmarschen der Kleriker Atreban, in Bremen Gerwald und Genossen, 789 in Nordalbingien Richolf, Rorich, Goteskalk, Had, Garich (Boehmer I, 177); [in keiner Weise zu vergleichen mit dem][41] Verdener Blutbad im Jahre 872. Es ist fast unbegreiflich, daß die Sachsen, die durch die fränkische Macht mit fast vollständiger Vernichtung bedroht wurden, ihre[r] [Abwehr][42] so selten den christlichen Missionaren gegenüber die Zügel haben schießen lassen."[43]

Doch die christliche Mission war nicht nur unduldsam und ungeduldig. Es gab offensichtlich ein Bedürfnis zu missionieren. Jemanden zum Christentum zu bewegen, bestätigte schließlich auch den Missionierenden in seiner Gesinnung. Nimmt ein Bekehrter das an woran der Missionar glaubt, bestätigt diesen das in seinem eigenen Glauben, um so mehr, wenn er vielleicht Zweifel hegt. Das der christliche Glaube vielfachen Anlaß zum Zweifel gibt - insbesondere wenn man dem mit Vernunft begegnet[44], war seit dem Konzil von Nicäa von 325 immanent. Das das brutale Vorgehen von Kirche und christlich gesinnter Königsgewalt eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, wenn man geduldig und friedlich den christlichen Glauben verbreitet hätte, belegen zahlreiche Beispiele. Freilich hätte das Christentum ohne Gewalt zweifellos keine Chance gehabt, sich inhaltlich gegen die heidnischen Anschauungen als ausschließliche Religion durchzusetzen.

"Fast immer haben die Germanen längere Zeit in einer christlichen Umwelt gelebt, ehe sie zu dem neuen Glauben übertraten. Die Berührungen waren gewöhnlich friedlicher Art, wie z.B. durch Handelsverbindungen oder durch das Zusammenleben mit einer christlichen Bevölkerung, wie das bei den Franken in Gallien der Fall war. Ganz besonders gilt das für Skandinavien, denn hier lebte man noch in einer durchaus heidnischen Zeit, als die benachbarten germanischen Völker schon längst das Christentum angenommen hatten.
Es gab damals Menschen, wie jener Helgi inn magri, von dem die Landnamá (c, 184) erzählt, daß er 'gemischt im Glauben' ... war; denn er glaubte zwar an Christus, aber bei Seereisen und schwierigen Unternehmungen rief er Thor an. Ähnliche Zustände gab es auch sonst in der germanischen Welt. Der Gesandte des Westgotenkönigs Leovigild sagte zu Chilperich I.: Man sagt bei uns, daß es nicht schaden könne, wenn man zwischen einem heidnischen Altar und einer christlichen Kirche hindurch gehe, beide zu verehren. Deshalb hatte der ostanglische König Redwald (im Anfang des 7. Jahrh.s) in demselben Tempelgebäude eine Altar für das Messeopfer und einen zweiten für [die heidnischen Götter].[45] Brüderlicher kann es kaum hergeben, als in Bregenz am Bodensee, wo 610 Kolumban Christen und Heiden zusammen bei einem festlichen Bieropfer für Wodan antrifft."[46]

"So überzeugt war man davon, das der Übertritt des Königs auch für das gesamte Volk verpflichtend war, daß Karl der Große nach Widekinds [des sächsischen Heerführers] und Abbis Taufe 785 dem Papste meldete: Das ganze sächsische Volk ist katholisch geworden. Die Regel cius regio, eius religio galt auch für die germannische Welt unbedingt, weil ja die Religion eine Funktion der Gemeinschaft war. Noch inniger, weil naturgebunden, ist das Gefüge der [Verwandtschaft][47]; hier ist der gemeinsame Glaube, der sich kundgibt in den an bestimmten Zeitpunkten zusammen vollzogenen Opfern, notwendige Grundlage für das Wohlergehen der Sippe. Diese starke soziale Geltung des heidnischen Kultes läßt den Übertritt zum Christentum als einen Verrat an dem Kreis der Verwandten erscheinen; um so mehr, als der Bekehrte durch diese Zugehörigkeit zu der christlichen Kirche aus den alten heidnischen Verbänden sich loslöst[48]. Mit scharfen Worten verurteilte man deshalb die Bekehrten; man nannte sie ...Schande für die [Verwandtschaft][49]und Verderber der Sippe. Es war eine Neidingstat [die Tat eines Ehrlosen], wenn man den geschlossenen Verwandtenkreis zerbrach und sich den gemeinsamen Kulthandlungen entzog. Schon der Umstand, daß man sich als Teil einer unverbrüchlichen Gemeinschaft empfindet, macht den Übertritt außerordentlich schwierig. Asbjorn von Medalhus sagt zu Hakon dem Guten, daß man den Glauben nicht aufgeben dürfte, den unsere Väter vor uns hatten, zuerst im Brandalter und nunmehr im Hügelalter, und sie sind doch weit trefflicher gewesen als wir. Deshalb hat auch der Friesenkönig Redbad den Fuß aus dem Taufbecken zurückgezogen, weil er lieber mit seinen Verwandten in der Hölle braten als mit ein paar elenden Fremden die himmlischen Freuden genießen will. Die Heiden schämen sich, den altväterlichen Glauben aufzugeben. Swjatoslaw sagt, er könne nicht Christ werden, denn seine Mannen würden darüber nur lachen. Das entspricht aber durchaus der Empfindung Chlodwigs, der sich durch die verrecundia lange davon hat zurückhalten lassen, den entscheidenden Schritt zu tun.
Die Umstände, unter denen die Bekehrung der Germanen stattgefunden hat, haben dazu geführt, daß die Vorbereitung zum christlichen Glauben im allgemeinen nur sehr notdürftig war. Das gilt natürlich ganz besonders von den Massenbekehrungen, ob dies nun aus Treue zum Gefolgsherrn oder durch obrigkeitlichen Zwang erfolgte."[50]

Wenn die Lehre nicht vom Volk getragen war und deren Anerkennung erzwungen werden mußte, dann hatte die Mission (damals wie heute) insbesondere die Funktion die Zahl der Taufen zu erhöhen. Mit der Taufe ist ja noch heute der Mensch insbesondere ein Mitglied der Kirche und ist damit dem Geltungs - und Verfügungbereich kirchlicher Einflußnahme ausgesetzt. Die Funktion der Mission ist also ganz klar die Erweiterung des Herrschaftsbereiches der christlichen Institution; um so verhältnismäßig wenig man von einer Bekehrung durch Predigt und Vorbild vernimmt. Man sollte versuchen, sich die Situation eines Bekehrten vor Augen zu führen: Der im heidnischen Stammesverband Geborene war nun absolut der Botmäßigkeit der Kirche und des christlichen Königs ausgesetzt.

Der seltene Versuch durch inhaltliche Kritik die Heiden zu bekehren, beinhaltet den Umstand, daß die Bekehrer sich nicht wirklich mit dem Heidentum auseinandersetzten (was ihrer Lehre entsprach: "sich nicht vom Wahren ablenken zu lassen"[51]). In einem Brief des Bischofs Daniel von Winchester an Bonifatius gibt dieser dem Missionar Ratschläge, wie er die Nichtigkeit des Heidentums erweisen könnte: man soll die Kultgebräuche und die Göttermythen nicht einfach ablehnen und verpönen, man tut besser zu beweisen, daß sie ihrem Inhalt nach wertlos sind. Eine so vorgetragene Bekehrung soll den Heiden von seinem angeblichen Irrglauben überzeugen.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist dabei die Theogonie. Sie berichtet von Erzeugung und Geburt der einzelnen Götter,

"... da soll der Bekehrer einwenden, daß Wesen, die gezeugt und geboren werden, eher Menschen als Götter seien. Weshalb aber zeugen die Götter jetzt nicht mehr, wenn sie in der Vorzeit Kinder bekommen konnten? Wieviel höher ist da der christliche Gott, der allmächtig und allewig ist. Daneben gibt es aber noch andere verfängliche Fragen. Ist die Welt ewig oder einmal erschaffen? Im letzten Fall bedarf sie eines Schöpfers."[52]

Nun geht der Bischof natürlich von falschen Voraussetzungen aus, denn es handelt sich um Fragen, die innerhalb christlicher Terminologie und Wertigkeiten argumentieren und auf heidnische Anschauungen gar nicht eingehen. Die Rede von Geburt, Zeugung, Tod etc. sind außerdem Fragen nach der eigenartigen theologischen Systematik, aber nicht inhaltlicher Natur, etwa zu den Bedeutungen der Götter. Interessanter als die Fragen selbst, ist die Fußnote deVries zu dem Thema:

"Wie weit entfernt sind wir hier von der Inbrunst der christlichen Urgemeinde. Damals [bestand][53] eben in breiten Schichten der mediterranen Bevölkerung ein Erlösungsbedürfnis, das sich schon früher, z.B. in den eleusinischen Mysterien kundgegeben hatte, aber jetzt, in der ihrer Auflösung entgegenschreitenden antiken Gesellschaft besonders fühlbar wurde.
[Nämlich das Erlösungsbedürfnis der Juden vom Joch der Römer in Palästina, dann der Italier und der unterworfenen Provinzen vom imperialen römischen Staat]. Das war aber bei den germanischen Völkern nicht der Fall. Hier gab es ein gesundes, in sich selbst ruhendes Volkstum, das sich überhaupt nicht in einer psychischen Notlage befand."[54]

Wenn die Bekehrung auch ein Bild zeichnet, das von politischen Erwägungen und kriegerischen Handlungen, kalkuliertem Terror und Verboten geprägt ist, so sagt dies aber noch nichts über das innere System aus. Es zeigt lediglich die Ergebnisse und ihre amoralischen Begleiterscheinungen. Es bleibt zu fragen was dahinter steht.

Der fromme Wunsch das alle Menschen Brüder sein sollten, die Nächstenliebe und Barmherzigkeit ist wohl nicht die Triebfeder zur Unterwerfung der Völker gewesen. Das dies lediglich bei der germanischen Mission der Fall gewesen wäre, läßt sich übrigens von vornherein ausschließen, betrachtet man die Missionstätigkeit etwa auf dem amerikanischen oder australischen Kontinent.
Man sollte meinen: in der Bekehrungstätigkeit, der Mission selbst muß der Beweggrund dieser unnachgiebigen Stringenz liegen, die vor Gewalt nicht zurückschreckt, die Mord und Terror benutzt, unter dem der Widerstand gegen das Christentums schließlich zusammenbricht. Der Anspruch des Guten, den das Christentum vertritt, der Erlösung vom Leid steht dem in frappanter Weise gegenüber wie der Folterer, der dem Opfer einzureden versucht, die Qual geschähe zu seinem Besten. Man stelle sich vor: man solle unter Foltern die Barmherzigkeit Jesus anerkennen, und das verteufeln, was man bisher für richtig hielt. Eine hochgradig perverse Situation.

Allgemein fällt heute auf, das das Christentum das Leid erst erschafft, von dem es dann Erlösung verspricht[55]. Wenn ich mich an dieser Stelle einmal als Psychoanalytiker versuche, dann ist es leicht, den Missionar als einen Zweifelnden zu kennzeichnen. Mit jeder ‘gewonnenen Seele’ ist auch der Missionar in seinem Bestreben bestätigt. Ein Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns ist um so geringer, je größer seine Missionserfolge sind. Die Massenbekehrungen ließen sicher so manchem Missionar das Herz überquellen.

Die Art der germanischen Mission ist außergewöhnlich: nicht durch Vorbild und passive Überzeugung werden die Menschen bekehrt, nicht die Bibel, die angeblich und aufgrund durchsichtiger Motive als von Gott selbst - persönlich - verfaßt, bezeichnet wurde (und wird), beeindruckt die Heiden und auch nicht die angebliche Menschwerdung Gottes in der Gestalt Jesus, ja nicht einmal die dreiste Versicherung der Christen, über den Tod sicheren Bescheid zu wissen[56], konnte die Heiden zu einer Abkehr von ihren Anschauungen bewegen.
Nicht nur am Beispiel Karls d. Gr. sieht man die Bekehrung mit Unterwerfung gleichgesetzt. Immer ging es um politische Einflußnahme. Dieser Einfluß, der den einen über den anderen stellte, machte aus freien Menschen Untertanen und gegängelte „Schäfchen“. Die Menschen, die in der Lage waren sich ihr Recht selbst zu setzen, wurden in ein Verhältnis von Unmündigkeit und Gehorsamsabforderung gesetzt. Von nun an sollte ‘der Herr’ ihr Gott sein und in Stellvertretung des Herrn die Kirche die Herrschaft ausüben.

Im Zuge der sogenannten "politischen Einigung des Volkes", war die Einführung des Christentums der geeignete Vorwand, die Heerführerschaft auch nach der Kriegsunternehmung aufrechtzuerhalten und die Königswürde (früheres Amt des "Friedensvorstehers"[57]) an sich zu reißen. Die Missionare und die Heerführer ergänzten sich dabei offenbar aufs fruchtbarste. Die Capitularien[58] zeigen uns anschaulich, wie in dieser Zeit das neue, die Stammesverfassung ursurpierende, - monarchische Königstum und die Macht der Kirchenorganisation sich festigte. Als drittes finden wir in dieser Zeit noch das Stammesrecht als Überbleibsel der alten Gewohnheitsrechte. Es steht anfangs gleichberechtigt neben herrschendem Königtum und Kirche, wird aber mehr und mehr durch Maßregelungen beschnitten und zwischen den Ansprüchen der anderen beiden Mächte zerrieben. Von den Freiheitsrechten des heidnischen Stammes bleibt nichts übrig.

In einer Verfügung kann Karl d. Gr. im Jahre 803 die unten folgende Verfügung aufstellen. Damit wird der Ungehorsam - ein Begriff den die freien und selbstbestimmten Stämme nicht kannten, zur Strafangelegenheit erhoben:

"Das Capitulare vom Jahre 803 (Leges I. p 126), welches Karl der Große dem bayrischen Gesetz hat hinzufügen lassen, nennt die 'acht Verbrechen, in denen der Königsbann von 60 Solidis verhängt werden: Friedbruch gegen die Kirche, die Wittwen, Waisen und arme Leute, Raub, Gewalt mit gesammelten Haufen, Brandstiftung und Ungehorsam gegen den königlichen Heerbefehl.'" [59]

Genau dieselben acht Bannfälle sind mit den Sachsen im Jahre 797 im Capitulare Saxonicum vereinbart worden. Wie diese "Vereinbarung" zustande kam, zeigt das oben beschriebene Vorgehen, das Karl d. Gr. gegen die Sachsen. Der Hinweis in den Capitularien auf den Schutz der Wittwen und Waisen muß man als eine Verschleierung der wesentlichen Motivation verstehen, ist dies doch von völlig anderer Qualität als: der 'Schutz der Kirche' und der 'Ungehorsam gegen den königlichen Heerbefehl'.

"Für die Germanen galt bereits die Regel, die wir namentlich aus der Reformationszeit kennen; cuius regio, eius religio. Vollendete Treue zwischen dem Fürsten und seiner Gefolgschaft war nicht möglich, wenn sie keine Kultusgemeinschaft miteinander bilden konnten; und dazu mußten sie die gleichen Götter verehren.
Ein ganz anderes und doch im Grunde eng verwandtes Problem bildet das Verhalten mancher bekehrten Fürsten, die ihre Untertanen mit Gewalt dem neuen Glauben zuführen wollten. Diejenigen, die sich weigerten, dem Fürsten zu folgen, wurden oft mit der gleichen Strenge behandelt wie Treulose und Verräter. Diese Gleichstellung erklärt wenigstens teilweise die Grausamkeit, mit der u.a. einige norwegische Könige widerspenstige Untertanen zur Annahme des Christentums zwingen wollten. Auch die germanische Religion hat ihre Märtyrer gehabt: wer beispielsweise während der Regierung von Olaf Tryggvason die Götter seiner Vorfahren zu verlassen sich weigerte, wurde verbannt oder gefoltert und getötet. Keine Folterung war zu grausam, um die Widerspenstigen zur Unterwerfung zu bringen. Rein religiös war dieser Kampf nicht. Das Bekehrungsverfahren der norwegischen Könige fiel mit der politischen Einigung des Landes zusammen, und der Widerstand gegen diese Politik konnte sich auf religiöse Erwägungen, namentlich auf die Treue gegenüber den Göttern der Vorfahren, berufen. Die Formen, die dieser Kampf annahm, werden nur dann verständlich, wenn man nicht aus den Augen verliert, daß die Religion für die Germanen eng verbunden war mit dem Leben der Völker. Sie war das Band, das ein Volk zusammenhielt: Kultuseinheit und politische Einheit waren gleichbedeutend."[60]



[1] Wenn wir den Beginn der Bekehrung mit dem Beginn der gotischen Missionstätigkeit des Bischofs Wulfilas etwa um 300 gleichsetzen wollen.
[2] Derolez S. 295
[3] H.J. Störig, kleine Weltgeschichte der Philosophie
[4] Orginaltext: 'zahlreiche'. Da die Bekehrungen in jener Zeit besonders Massenbekehrungen waren, wobei der Stamm mit dem Fürsten die Taufe nahm, kann man nicht selbstverständlich davon ausgehen, das zahlreiche Franken individuell, entgegen den Gepfogenheiten handelten und zum Katholizismus übertraten. Die Massentaufe der Franken unter Chlodwig beweist das.
[5] DeVries Band II S. 414 / 415
[6] Vgl. Die Bibel, 'Das Buch der Richter' oder auch Lion Feuchtwangers historischen Roman: "Jefta und seine Tochter"
[7] DeVries Band II S. 414
[8] DeVries Band II S. 415
[9] Herrmann, dtsch. Myth. S. 325
[10] Derolez S. 295
[11] DeVries Band II S. 415 / 416
[12] Wenn die Frauen möglicherweise von dem moralischen Ideal der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft positiv eingenommen gewesen waren, so haben sie mit der Bekehrung schließlich auch patriachalische Verhältnisse und letztlich eine Entmündigung ihres Geschlechts in Kauf nehmen müssen. Schließlich hatten die Frauen in der altgermanischen Gesellschaft wesentlich weitgehendere - und mit den Männern in gewissem Sinne nahezu ausgewogene - Rechte als in der anschließend christlichen.
[13] Der "offiziellen Kirche" zufolge gilt Europa, seit der erzwungenen Massenbekehrung der Isländer im Jahre 1000 als christlich. (Vgl. unten).
[14] DeVries BandII S. 418
[15] DeVries Band II S. 418
[16] Bei einer Kopfzahl von ca. 60 Mio. Einwohnern im heutigen Deutschland und damaligen ca. 60000 sächsischen Stammesangehörigen wären das prozentual hochgerechnet etwa 4,5 Milillonen der Besten aus den Bereichen von Staat und Wirtschaft gewesen. Man kann sich denken welche Auswirkungen gerade die Ermordung der führenden Leute gehabt haben muß.Demgegenüber muß man aber die damaligen Verhältnise beachten. So preist sich selbst der römische Imperator und beiläufige Schrftsteller Cäsar, der eine gallische Provinz die ihm Widerstand leistete zur Ruhe bringen will damit, daß er „aus Großzügigkeit“ lediglich 3000 Kriegern die Hände abhacken ließ. (Quelle: Caesar: "de bella galico").
[17] Z.B. Pferdefuß: das Pferd war das bedeutendtstes Opfertier im Kultmahl - Attribut Wodans und zuvor Tyrs. Bockshörner: der Ziegenbock ist das Attribut Donar / Thors, ebenfalls ein wichtiges Tier im Kultmahl; Thor wurde von der breiten Masse der Bevölkerung verehrt.
[18] Hermann, Myth. S. 326
[19] DeVries II S. 417
[20] Herrmann, dtsch. Myth. S. 408 Wie sich eindeutig erschließen läßt, hatten die Heiden keine Götterbilder im christlichen Sinne. Bei den Symbolbildern denke man z. B. an den "Fakse", = eine grob aus Holz geschnitzte sitzende Figur, bei der sich anstelle des Kopfes das Sonnenrad zeigt, ein Kreis mit einem Kreuz darin. Dies ist eine der deutlichsten figürlichen Darstellungen. Eine Darstellung der Götter mit menschlichen Zügen war im allgemeinen mit der Anschauung nicht vereinbar, da man es der "Größe des Himmlischen" für nicht angemessen hielt, sie wie Menschen zu bilden und in Räumen zu verehren, wie Tacitus berichtet. Auch Altäre - wie wir das aus dem Christentum kennen richteten die Heiden nicht ein. Wohl aber gab es verschiedene, bekannte und auch gekennzeichnete Plätze die zu Opferhandlungen und Gebet gebraucht wurden. Der skandinavische "Hof" erinnert in seiner Anlage noch am ehesten an eine christliche Kirche, In der Regel waren Kultorte natürlicher Art, wie etwa Quellen, Findlinge im Wald, besondere Bäume oder künstlich errichtete (skand.) "horgr", eine Art Hütte mit einer kleinen Feuerstelle und sybolisierten Gottheiten, die man vielleicht mit dem deutschen Wort "Hort" übersetzen darf.
[21] Es gab auch zahlreiche außerhalb gelegene Kultstätten, doch diese waren für die Missionare wohl erst von sekundärem Interesse.
[22] Christliche Legenden erzählen beispielweise von einer "Austreibungszeremonie" an dem vormals heidnischen Kultplatz, auf dem später der Kölner Dom entstand. Die ganz aus christlicher Sicht geschilderte Nacherzählung findet sich bei: ???
[23] DeVries BandII S. 418 / 419
[24] Dingversammlung
[25] DeVries Band II S. 423
[26] DeVries Band II S. 425
[27] Es ist eigendlich sonderbar das man noch heute christlich als 'gut' und unchristlich als 'schlecht' assoziiert. Nicht zuletzt aufgrund der Geschichte des Christentums besitzt diese Assoziation keine Grundlage. Sie ist abhängig von der psychischen Befindlichkeit, dem Glauben eines Menschen und dessen was er sehen will oder nicht.
[28] DeVries Band II S. 426
[29] DeVries Band II S. 427
[30] Orginaltext = ... herrschen...
[31] Das Essen von Pferdefleisch geht allein auf ein kirchliches Verbot zurück wohl um in der entsprechenden Zeit den heidnischen Kult zu treffen, bzw. einem eventuelle noch vorhandenen heidnischen Bezug den kulturellen Nerv zu nehmen. Vgl. die Unterscheidung von "Geziefer und Ungeziefer".
[32] DeVries Band II S. 427 / 428
[33] "Soweit ein gemeinsamer Name für die gens bestanden hat, wird er wohl gotisch kuni gelautet haben; dafür spricht nicht nur die Identität mit dem entsprechenden Ausdruck der verwandten Sprachen, sondern auch der Umstand, daß von ihm das Wort kuning, König, sich herleitet, welches ursprünglich einen Gentil oder Stammesvorsteher bedeutet." (Engels, S. 159) Vgl. unten: Fußnote Nr. 44.
[34] Engels "Der Ursprung der Familie..", S. 167; Vgl. auch Engels, S. 176.
[35] Unter "Disziplinargewalt" ist hier das alleinige Recht der Priester auf Bestrafung im Krieg verstanden.
[36] Engels "Der Ursprung der Familie..", S. 166/ 167; Vgl. auch die "Gefolgschaften".
[37] DeVries II S. 432
[38] Orginaltext: "..taten es.."
[39] DeVries Band II S. 432
[40] Dementsprechend sprechen die christlichen Abschwörungsformeln und Verbote immer in der heidnischen Terminologie von den "Unholden".
[41] DeVries spricht hier von einer "maßvollen Vergeltung" in Verkehrung der zeitlichen Verhältnisse: denn das Massaker an den Sachsen fand 872 statt, die wenigen erwähnten Missionare wurden aber früher getötet: zwischen 714 und 789. Eine "Vergeltung" ist also das Blutbad Karls 'des Großen' zu nennen, das man vor diesem Hintergrund nur blutrünstig nennen kann.
[42] Orginaltext: "Nationalhaß" - unpassender Ausdruck.
[43] DeVries Band II
[44] Luther bezeichnet den Begriff der Vernunft im Hinblick auf die Einwendungen gegen das Christentum als "Teufelshure". (Quelle: Störig)
[45] Orginaltext: den Dienst der "Dämonen" - womit hier nur die Götter gemeint sein können.
[46] DeVries Band II S. 429 / 430
[47] Orginaltext: "Familie"
[48] Vgl. oben
[49] Orginaltext: "Familie"
[50]DeVries Band II S. 436 / 437
[51] Vgl Pseudo Dionysius, Areopagitia, Die Hierarchie.
[52] De Vries II S. 439
[53] Orginaltext: ... herrscht ...
[54] De Vries Band II S. 439
[55] Diese Meinung vertritt auch Karlheinz Deschner unter anderem in seinem Buch "Der gefälschte Glaube".
[56] Vgl. die christlichen Vorstellungen von der Auferstehung beim jüngsten Gericht, der Prädestinationslehre, der Vorstellung vom Jenseits - außerhalb des Seins - dem Paradies bei Gott.
[57] Vgl Fußnote 32 oben. Der König war demnach also das Haupt des Stammes im verwandtschaftlichem Zusammenhang.
[58] G. Beseler, Über die Gesetzeskraft der Capitularien.
[59] Beseler, siehe oben

[60] Derolez S. 302 / 303