Die Macht der Konzile - Wie das Christentum aus der Taufe gehoben wurde

Für einen großen Teil der Weltbevölkerung - rechnen wir ruhig mit einer guten Milliarde Häupter - hatte das Jahr 2000 eine zusätzliche Bedeutung: Es wurde nämlich vom heiligen Stuhl zu Rom zum »Heiligen Jahr" proklamiert. Eine schöne runde Zahl. Beinahe genauso lange werden die Angehörigen der römischkatholischen Glaubensgemeinschaft verschaukelt, manipuliert und auf den Arm genommen. Wie bitte? Ganz richtig! Dieselbe Kirche, die sich erst wieder gegen Ende der sechziger Jahre durch das Credo Papst Pauls VI. (1897-1978; Pontifikat von 1963-1978) selbstherrlich ihren Rang bescheinigt hat, die einzig wahre Kirche zu sein, alleine die unfehlbare Wahrheit zu besitzen und zu verkünden, und dazu auch noch heilsnotwendig zu sein - um nur einige dieser Anmaßungen aufzuzählen -, hat in den zwei Jahrtausenden ihres Bestehens keine Gelegenheit ausgelassen, ihre Gläubigen nach allen Regeln der Kunst hinters Licht zu führen. Im November 1965 verkündete die katholische Kirche in ihrer Dogmatischen Konstitution höchst offiziell und feierlich - und hält bis heute daran fest: - daß die Bibel Gott zum Urheber habe; - daß die Bibel in allen Teilen heilig sei; - daß die Bibel in allen Teilen unter Einwirkung des "Heiligen Geistes" verfaßt worden sei und alles, was die inspirierten Bibelverfasser aussagen, als vorn Heiligen Geist geschrieben zu gelten habe; - daß die Bibel sicher, getreu und ohne Irrtum lehre.Die Realität sieht jedoch ganz anders aus - wie jeder Theologe mit dem entsprechenden Insiderwissen sowie Verantwortungsbewußtsein unumwunden zugeben müßte. Denn die - inoffizielle - Kirchengeschichte offenbart einige ganz schwarze Flecken, die nicht so recht zum Image einer "vom Heiligen Geist inspirierten Religion" passen wollen. Nur dem einfachen Gläubigen wird nach wie vor wahrhaft himmelschreiender Humbug infiltriert.


Die Sache mit den Urtexten

Kleiner Mann, was nun? "Aber da gibt es doch die biblischen Urtexte", höre ich die beflissenen Kritiker aus der Ecke der Bibelstunden abhaltenden Laien einwerfen. Sorry, weit gefehlt denn diese vielstrapazierten Urtexte" existieren nämlich überhaupt nicht! Aber auf was beruft man sich dann? Auf Abschriften, welche allesamt zwischen dem vierten und dem zehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstanden sind. Und diese Abschriften sind wiederum nur Abschriften, nichts anderes. Mit Abweichungen von der jeweilig jüngeren zur vorangegangenen, älteren Version. Zudem gespickt mit Widersprüchlichkeiten, und je nach Bearbeiter dem zeitgemäßen Bedarf angeglichen. Alleine über den Verlauf der spektakulären Vorgänge rund um die Gefangennahme Jesu, dessen Verurteilung und anschließende Kreuzigung bieten die Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus zum Teil in wesentlichen Punkten voneinander abweichende Schilderungen an - die sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einmal persönlich recherchiert haben dürften. Wie hätten wir's denn gerne? Um den gutgläubigen Christenmenschen nun endgültig zu verunsichern, will ich an dieser Stelle jemanden zitieren, der es eigentlich ganz genau wissen müßte. Dr. Johannes Lehmann zeichnet immerhin als Mitübersetzer einer modernen Bibelausgabe verantwortlich. Sein Fachwissen möge hier ein wenig Licht ins Dunkel bringen: "Die Evangelisten sind Interpreten, nicht Biographen. Diese haben nicht aufgehellt, was im Abstand der Generationen dunkel geworden war, sondern sie haben verdunkelt, was noch hell erschien. Sie haben nicht Geschichte geschrieben, sondern Geschichte gemacht. Und sie wollten nicht berichten, sondern berichtigen." Und der Theologe Dr. Robert Kehl erklärt ganz freimütig und ohne Emotionen: "Die meisten Bibelgläubigen ... wissen nicht - und wollen meist auch nicht wissen -, daß die ersten Christen lange Zeit, während etwa zweihundert Jahren, außer dem Alten Testament keinerlei Schrift hatten; daß selbst der alttestamentliche Kanon zur Zeit der ersten Christen noch nicht endgültig festgelegt war. Daß neutestamentliche Aufzeichnungen nur ganz langsam entstanden sind und lange Zeit niemand daran dachte, diese neutestamentlichen' Schriften auch als heilige Schrift zu betrachten; daß aber erst mit der Zeit die Obung entstanden ist, die besagten Schriften in den Gemeinden vorzulesen, daß aber auch dann noch niemand daran dachte, sie als heilige Schriften dem Alten Testament gleichzustellen." Wie lange soll also noch das Märchen von der Bibel als dem "einzig und unfehlbaren Wort Gottes" durchgehalten werden, wer hat den Mut und sagt den Gläubigen, daß die ominösen "Urtexte" unserer "Heiligen Schrift" gar nicht existieren?

Aller Schwindel Anfang: Die Konzile

Wie kam es überhaupt zu dieser phänomenalen Täuschungsaktion, die - doch irgendwie bewundernswert - schon seit so langer Zeit so konsequent durchgezogen wird? Das Ganze begann mit den Konzilen, den Versammlungen kirchlicher Oberhirten zur Behandlung wichtiger kirchlicher Fragen und Anliegen. In den Versammlungen der ersten fünf ökumenischen (die gesamte katholische Kirche betreffend) Konzile wurden alle Weichen für den Inhalt und die Organisation der noch jungen Religion gestellt. Es wurden die Glaubenslehren definiert, die bis heute ihren dogmatischen Charakter behalten haben. So kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig habe ich sie wie folgt chronologisch aufgelistet.

1. Das erste Konzil zu Nicäa (325 n. Chr.). Einberufen wurde es von Kaiser Konstantin (288-337 n. Chr.). Dieser war, wie man so schön sagt, eigentlich ein "Heide"; erst auf dem Sterbebett ließ er sich taufen. Bis dahin hing er dem Sonnenkult des altpersischen Lichtgottes Mithra an und wurde auf den Münzen des byzantinischen Reichs als "die unbesiegbare Sonne" dargestellt und verehrt. Konstantin war nicht gerade von zartbesaitetem Naturell - zumindest nicht zu seinen Mitmenschen. So erließ dieser zum Beispiel die Verordnung, daß man Sklaven, die man beim Mundraub erwischt hatte, flüssiges Blei in die Mundhöhle gießen sollte. Und weitere, ähnlich "humane" Gesetze, auf die ich hier aus Platzgründen nicht eingehe. Dieser wahrhafte Christenmensch zwang die versammelten Kirchenfürsten - zuvor hatte er ihnen unmiß verständlich klargemacht, daß sein Wille kirchliches Gesetz sei - die Wesenseinheit von Gott und Jesus zu beschließen und erhob dies zum Kirchendogma. Posthum wurden diesem vorbildlichen Staatsmann auch die gebührenden Ehren zuteil: In der griechisch- und russisch-orthodoxen Kirche wird Konstantin, der auch den Beinamen "der Große" erhielt, noch heute als einer der herausragendsten Heiligen verehrt! In diesem Zusammenhang sollte der Begriff der "Konstantinischen Schenkung" nicht ohne Erwähnung bleiben. Bereits im Jahr 315 soll Konstantin zum Dank dafür, daß ihn Papst Silvester 1. (Pontifikat von 314-335) vom Aussatz geheilt hatte, diesem und allen späteren Päpsten die Herrschaft über Rom, ganz Italien sowie die römischen Provinzen im östlichen Mittelmeerraum überlassen haben. Die Schenkungsurkunde verlieh dem Heiligen Stuhl außerdem die geistliche Herrschaft über alle Kirchen der Erde. Wer es versuchen sollte, diese Herrschaft zu stürzen, dem wurde angedroht, er werde in der untersten Hölle braten".

Als Fälschung entlarvt

Sechshundert Jahre lang bedienten sich die Päpste munter dieser Donatio Constantini", um ihren Anspruch auf die Führungsrolle in der Christenheit zu untermauern. Erst der große Kirchenlehrer Cusanus (Nikolaus von Kues, 1401-1464) entdeckte, daß das angebliche Dokument eine Fälschung war, welche vermutlich um das Jahr 760 entstand. Mindestens zehn Päpste beriefen sich auf jene unverfrorene Fälschung, durch die die Welt jahrhundertelang betrogen wurde. Doch gehen wir hier wieder zurück in das vierte Jahrhundert, als einige Leute, die sich hierzu berufen fühlten an der neuen Religion herumbastelten.

2. Das zweite Konzil zu Konstantinopel (381). Dieses Konzil wurde von Kaiser Theodosius einberufen, der seinem Vorgänger Konstantin in allen Bereichen das Wasser reichen konnte. Auch er war alles andere als zimperlich im Umgang mit Freunden und Widersachern. Sein Volk belegte er mit unerträglichen Steuern, um seinen aufwendigen Hofstaat zu finanzieren. Die Abgaben ließ er brutal und unerbittlich eintreiben. Als ganz besondere »Attraktion« ließ er im Jahre 390 im Stadion von Thessaloniki siebentausend aufständische Bürger in einem beispiellosen Blutbad niedermetzeln. Unter Theodosius' Ägide beschloß das ökumenische Konzil die Dreieinigkeit: Zu Gottvater und Jesus stieß - quasi als Dritter im Bunde" - auch noch der Heilige Geist. Die 325 zu Nicäa beschlossene Wesenseinheit (zwischen Gott und Jesus) wurde nun zur Wesensgleichheit (zwischen Gott, Jesus und dem Heiligen Geist). Von dieser zu Konstantinopel ausgeheckten Dreieinigkeitslehre zehrt die katholische Kirche noch heute.

Maria wird heilig - kraft Gesetzes!

3. Das dritte ökumenische Konzil zu Ephesos (431). Mittlerweile war das Römische Reich in zwei Bereiche gespalten, so daß die Schirmherrschaft dieser Versammlung gemeinsam vom weströmischen Kaiser Valentianus 11. (419-455) und dessen oströmischem Amtskollegen Theodosius 11. (401-450) ausgeübt wurde. Einzige Gemeinsamkeit der beiden war ihre ausgeprägte Neigung zu einem höchst ausschweifenden Lebenswandel - heute würde man sie wohl als Playboys oder Lebemänner bezeichnen. Mit ernsteren weltlichen oder gar geistlichen Angelegenheiten hatten sie herzlich wenig am Hut, glänzten sie doch auch während des Konzils überwiegend durch ihre Abwesenheit. In Ephesos beschloß das Konzil die religiöse Verehrung der Maria als Mutter Gottes; durch die Aufnahme in den "Codex Theodosiani" wurde dieser an sich religiö Beschluß unverzüglich zum Reichsgesetz erhoben. Langsam aber sicher wird die Heilige Familie vollzählig ... 4. Das vierte Konzil zu Chalkedon (451): Formell wurde dieses Konzil zwar von Kaiser Marcianus (396-457) einberufen, tatsächlich jedoch hielt Pulcheria (399-453), die Witwe von Theodosius II. und nunmehrige Gattin des Kaisers Marcianus, die Zügel fest in der Hand. Auf diesem Konzil verkündete Papst Leo L den Lehrsatz von der Doppelnatur Jesu, in welcher die göttliche und die menschliche Natur "unvermischt und unzertrennlich' vereinigt seien ("Chalkedonische Glaubensformel"). Außerdem wurde hier die Wahrung der Einheit der Lehre durch jederzeit mögliches Eingreifen dem Papst übertragen. Von da an zum päpstlichen Unfehlbarkeitsanspruch war es nicht mehr weit.

Den Ketzern" an den Kragen

5. Und schließlich das fünfte ökumenische Konzil, das wieder in Konstantinopel stattfand (553). Der oströmische Kaiser Justinian (458-565) hatte es einberufen, ein blutrünstiger Despot, der nur noch von seiner Gemahlin und Mitregentin Theodora übertroffen wurde. Mit geradezu fanatischem Eifer ließ sie alles, was sie für heidnisch ansah, ausrotten. Nur noch reine Marionetten dieser beiden Tyrannen als sogenanntes "Akklamationskonzil" ging die Versammlung später in die Annalen der Kirche ein unterwarfen sich die Bischöfe den machtpolitischen Interessen des Kaiserpaares. Die beiden erließen grausame und erbarmungslose "Ketzergesetze". Als "Ketzer" wurde jeder verfolgt, der die erlassenen Kirchendogmen in Frage stellte - an ihm wurde ohne Gnade die Todesstrafe vollzogen und sein Nachlaß verfiel an den Staat. Ein schönes Beispiel für die zweckmäßig gut funktionierende Vernunftehe zwischen Staat und Kirche, wie sie sich über lange Jahrhunderte bewähren" soll e. Auf diesem Konzil wurde festgelegt, daß künftig ausschließlich die vom Heiligen Geist inspirierte« Kirchenführung zu bestimmen habe, was rechtgläubig zu sein hat. Auf derart humane, weise und inspirierte Quellen können wir also die Dogmen unserer christlichen Religion zurückführen. Es dürfte wohl für die Führung der Amtskirche zu Rom ein wahrhafter Segen sein, daß diese Details noch keinen weiteren Verbreitungsgrad gefunden haben - sonst wäre der Mitgliederschwund an der Basis wohl nicht mehr aufzuhalten ...


Quelle: Hartwig Hausdorf - Geheime Geschichte - Was unsere Historiker verschweigen

 

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