Moderner Satanismus - Überblick und Grundlagen

1. Einleitung
2. Herkunft des Begriffes
3. Prägende Personen des heutigen Satanismus

3.1. Aleister Crowley
3.2. Anton Szandor LaVey
3.2.1. Begründer des modernen Satanismus
3.2.2. Grundsätze des modernen Satanismus
3.2.3. Die satanische Einstellung
3.2.4. Satan und Satanismus aus satanistischer Sicht
3.2.5. Verhaltensweisen im Satanismus
4. Zusammenfassung und abschließende Gedanken
5. Anhang: Fremdwörter und spezielle Begriffe
6. Literaturangaben


1.Einleitung

Der Begriff Satanismus hat auf den Normalbürger eine erschreckende Wirkung. Aufgrund vieler Pressemeldungen ist die breite Masse der Ansicht, Satanisten seien all Jene, die schwarz gekleidet und schwarz geschminkt herumlaufen und möglicherweise noch ein umgedrehtes Kreuz tragen. Ich möchte mit diesem Referat mit dem Vorurteil aufräumen, Satanisten seien Mörder, Kinderschänder und Tierquäler. Ich weiß es besser, denn ich bin Satanistin, gehöre weder zu eine Sekte oder sonstigen Gruppe, noch habe ich jemals gemordet, Tiere gequält, Blut getrunken oder mich irgendeines Verbrechens schuldig gemacht.

2.Herkunft des Begriffes

Woher also kommt der Begriff Satanismus ? Wie sich gleich richtig vermuten lässt: von dem Wort Satan. Meist wird vergessen, dass jedes Wort eine Geschichte hat und daher in einem anderen Zusammenhang gesehen werden sollte, als der, den man heute kennt. Jeder weiß, dass aus christlicher Sicht, Satan der Gegenspieler Gottes ist. Nur wird vergessen, dass es eine Zeit vor der christlichen Kirche gab. Wortgeschichtlich stammt das Wort Satan von Shaitan ab; und Shaitan von Seth. Seth ist uns aus der ägyptischen Mythologie ein Begriff.

Seth war der Bruder von Osiris, er ermordete ihn, was ihm das Adjektiv ´böse´ eingebracht hat. Man darf aber nicht vergessen, dass er immer noch ein Gott war, der in Ägypten sehr verehrt wurde. Er hat zwar seinen Bruder Osiris getötet, aber dadurch wurde Osiris zum Herrscher der Unterwelt und spendete somit denen Trost, die kurz vor ihrem Übergang zu dieser Unterwelt standen. Die Tat von Seth war also ´böse´, seine Auswirkung aber nicht unbedingt. Wie in nahezu jeder Mythologie gibt es auch in der ägyptischen nicht nur gut oder böse, schwarz oder weiß, sondern gut und böse, schwarz und weiß. Das ist für uns schwer nachzuvollziehen, da wir eher christlich geprägt sind und nicht heidnisch wie unsere Vorfahren. In jeder Naturreligion finden wir viele Götter. Aber keiner dieser Götter ist nur gut oder nur böse, sondern jeder Gott kann beides sein.
(vgl. Roskoff 2001.Band1. S. 65 ff).

Shaitan ist eine arabische Gottheit. Die Araber, welche im Mittelalter eine neue Kultur und Herrschaft gründeten, nachdem die großen Reiche ihrer Stammesverwandten längst vom Schauplatz der Geschichte abgetreten waren, werden schon im höchsten Altertum bemerkbar. Obwohl von der Religion der alten Araber zu wenig bekannt ist, um eine genaue Gesamtvorstellung zu bieten, so ist die Annahme des Dualismus guter und böser Wesen in derselben sichergestellt durch den alten Glauben an die Dschinnen, d.h. Dämonen, den Mohamed bei seinem Volk vorfand, in den Islam aufnahm und durch den Koran bekräftigte. Shaitan als Gottheit, wovon es übrigens mehrere gibt, dann Shaitin genannt, lehrte die Menschen Zauberei und Verführung. Shaitin sind nicht wie im Christentum gefallene Engel, sondern Söhne von Dschinns, welche, wie die christlichen Engel, auch höhere Wesen sind. Das Judentum übernahm diese arabische Vorstellung von Dämonen, benannte sie um in gefallene Engel und setzte für Shaitan den hebräischen Begriff Satan ein, was übersetzt ´der Widersacher´ bedeutet.
(vgl. Roskoff 2001. S. 82 ff)

"Die Bedeutung des Wortes Satan ist ´Gegner´ oder ´Widersacher´ oder ´Ankläger´. Das englische Wort ´devil ´ stammt vom indischen Wort ´Devi´ ab und heißt soviel wie ´Gott´.
Satan bedeutet Widerstand gegen alle Religionen, die den Menschen frustrieren und wegen seiner natürlichen Instinkte verurteilen. Ihm wurde nur deshalb die Rolle des Bösen zugeteilt, weil er die fleischlichen, weltlichen und profanen Aspekte des Lebens verkörpert. Satan, der Oberteufel der westlichen Welt, war anfangs ein Engel, dessen Aufgabe es war, menschliche Straftaten Gott vorzutragen. Erst im 14. Jahrhundert wurde er als eine böse Gottheit dargestellt, die halb Mensch und halb Tier war, mit bocksartigen Hörnern und Hufen. Bevor das Christentum ihm den Namen Satan, Luzifer etc. gab, wurde die fleischliche Seite des Menschen von einem Gott beherrscht, der von den Griechen Dionysos(1) oder Pan(2) genannt wurde und als Satyr(3) oder Faun(4) dargestellt wurde. Pan war ursprünglich der ´nette Kerl´ und symbolisierte Fruchtbarkeit und Befruchtung. Immer wenn ein Land eine neue Regierung bekommt, werden aus den Helden der Vergangenheit die Schurken der Gegenwart. Ebenso ist es mit der Religion. Die ersten Christen glaubten, dass die Götter der Heiden Teufel waren und es war schwarze Magie, sich ihrer zu bedienen. Wundersame himmlische Ereignisse nannten sie weiße Magie, das war der einzige Unterschied zwischen den beiden.


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Fußnoten / Begriffserklärungen siehe im Anhang
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Die alten Götter starben nicht, sondern kamen in die Hölle und wurden zu Teufeln. [...] Viele Vergnügungen, die man vor dem Aufkommen des Christentums schätzte, wurden von der neuen Religion verdammt. Es waren nur wenige Veränderungen notwendig, um die Hörner von Pan und seinen gespaltenen Hufe in einen überzeugenden Teufel zu verwandeln." (vgl. LaVey 1999. S. 57f)

3.Prägende Personen des modernen Satanismus
3.1. Aleister Crowley

Der heutige Satanismus stützt sich im weitesten Sinne auf A. Crowley, welcher einer der größten Magier seiner Zeit war.
"Crowley war ein ungewöhnlicher Mann, er war ein Magier und großer Verführer, ein renommierter Poet und Bergsteiger, ein Kokainsüchtiger und ein anerkannter fruchtbarer Schriftsteller [...] . Dieser Mann, den Robert Amadou einmal ´den größten, unheimlichsten und vielleicht einzigen Magier des 20. Jahrhunderts im Westen´ nannte, ist der Öffentlichkeit fast unbekannt. Aber von Serbien bis zu den Vereinigten Staaten, von Peru bis Japan praktizieren einige Tausend seiner Schüler heute noch die Riten, die er eingeführt hat und gehören quasi-freimaurerischen Orden an, die er beeinflusst hat [...]. Auch sein Einfluss auf ein Teil der Jugendkultur ist nicht zu unterschätzen, selbst wenn der Filmemacher Kenneth Anger, der LSD-Papst Timothy Leary, oder Musiker wie David Bowie, Andy Summers, Sting oder Mick Jagger dabei die Vermittler spielten und den Eindruck erweckten, als seien sie seine Schüler. Die Beatles haben ihm auf dem Umschlag ihres berühmten ´Sergeant Pepper´ Tribut gezollt."(vgl. Bouchet 2000. S. 7f)

Für Crowley ist die Magie die Gesamtheit der quasi-wissenschaftlichen Methoden, die bei jenen, die sie ausüben, bekannte und ähnliche Wirkungen hervorrufen. In früheren Zeiten galt die Magie als die Entdeckung des Göttlichen im eigenen Selbst oder die Begegnung mit dem Schutzgeist, später als das Verschwinden zwischen Ich und Nicht-Ich und die Vereinigung mit dem Göttlichen. Crowley und seine Schüler verwendeten die altenglische Schreibweise Magick [...]. Die philosophisch-religiöse Bewegung, die Crowleys Schüler gründeten, heißt Thelemismus(5) oder Strömung 93 (6).(vgl. Bouchet 2000. S. 13f)

Das höchste Ziel in Crowleys Magie ist ein Zustand, indem der Mensch und Gott eins sind. Crowley bekräftigt, dass der Mensch ein Gott ist, ohne es zu wissen, und dass nur die magische Arbeit ihn befähigt, sich dieser Tatsache bewusst zu werden. [...] Es gibt nur eine Definition der rituellen Magie: die Vereinigung des Mikrokosmos mit dem Makrokosmos. Das höchste und vollständigste Ritual ist infolgedessen die Anrufung des heiligen Schutzgeistes oder, in der Sprache der Mystik, die Vereinigung mit Gott.(vgl. Bouchet 2000. S. 52f)

Hier sehen wir den wichtigsten Grundsatz des Satanismus, es gibt keinen Gott außerhalb, sondern jeder Mensch ist Gott. Das ist auch der Grund, warum Satanismus und das Christentum völlige Gegensätze sind. Satanisten leugnen eine Macht außerhalb der eigenen und die der Natur kategorisch ab. Die Rituale, die ein Wesen oder eine Macht anrufen, werden veranstaltet, um die eigene Macht aus dem eigenen tiefsten Innern hervorzurufen oder darzustellen. Für Satanisten ist der Mensch Teil der Natur, gleichgestellt mit Tieren und Pflanzen. Die Natur besitzt neben ihrer hellen und heilenden Kraft auch eine gleichmächtige dunkle und zerstörerische Kraft. Da der Mensch Teil dieser Natur ist verhält es sich bei ihm ebenso.

3.2.Anton Szandor LaVey
3.2.1.Begründer des modernen Satanismus

LaVey ist der Begründer des modernen Satanismus, er hatte ein sehr bewegtes Leben, worauf ich aber hier nicht näher eingehen will, da dies für das Thema nicht von großem Belang ist. Berühmt wurde LaVey durch die Gründung der Church of Satan, seinem Buch ´Die satanische Bibel´ und dem öffentlichen Taufritual seiner Tochter Zeena. LaVey wettert ganz offen und unverblümt gegen die christliche Kirche, der Grund ist aber nicht ein spezieller Kirchenhass, sondern die Meinung, dass alle Weltreligionen, die den Menschen erniedrigen, veraltet und überholt sind, da sie nicht dem Wesen des Menschen entsprechen. Seine Abneigung bringt er so lautstark zum Ausdruck, da die Kirche ihre Abneigung gegen Andersgläubige seit Jahrhunderten mindestens ebenso lautstark und sogar sehr tatenreich zum Ausdruck brachte und bringt.

"In der letzten April-Nacht des Jahres 1966 - der Walpurgisnacht(7), dem wichtigsten Fest in der Überlieferung von Magie- und Hexenwesen rasierte LaVey rituell sein Haupthaar nach magischer Tradition und verkündete die Gründung der Church of Satan.
LaVey erklärte: "In dem ich von einer Kirche sprach, konnte ich einerseits die magische Formel ´ein Teil Skandal zu neun Teilen gesellschaftlicher Anerkennung´ anwenden, die man zum Erfolg braucht. Der Hauptgrund jedoch war, eine Gruppe Gleichgesinnter zusammenzubringen und ihre kollektive Energie zur Anrufung der dunklen Kraft in der Natur, die Satan genannt wird, einzusetzen." Wie LaVey ausführte, basieren alle anderen Kirchen auf Gottesanbetung und Verleugnung des Fleisches und des Intellekts. Er erkannte, dass eine Kirche gebraucht wurde, die Verstand und Triebe des Menschen als Anlass zum Feiern wiederentdeckte. Ein vernünftiges Eigeninteresse, sowie ein gesundes Selbstbewusstsein sollten gefördert werden. [...] In der Church of Satan führte LaVey anstelle der erniedrigenden Gottesdienste der Christenheit etliche atemberaubende Psychodramen(8) ein und schaffte dadurch die Repressalien(9) und Verbote ab, die die Weißlicht-Religionen pflegten. "(vgl. LaVey 1999. S. 17)

LaVey erläuterte jedem der es wissen wollte, dass für ihn und seine Anhänger der Teufel nicht der stereotype Geselle in rotem Umhang, mit Hörnern und Schwanz war, sondern vielmehr die dunklen Kräfte in der Natur und in einem selbst, die die Menschen gerade erst zu ergründen beginnen. Wie konnte LaVey diese Erklärung in Einklang bringen mit seinem gelegentlichen Auftreten in schwarzer Kapuze mit Hörnern ? Er erwiderte: "Die Menschen brauchen Rituale mit Symbolen, wie man sie auch bei Baseball-Spielen, Gottesdiensten und im Krieg findet als Transportmittel für ihre Emotionen, die sie allein nicht freisetzen und meist nicht einmal verstehen können."( vgl. LaVey 1999. S. 18)

Es ist nicht leicht, diese Religion anzunehmen in einer Gesellschaft, die seit so langer Zeit von puritanischer(10) Ethik geprägt ist. Es gibt in dieser Religion keinen falschen Altruismus(11) oder aufgezwungene Konzepte wie ´liebe deinen Nächsten´. Der Satanismus ist eine unverblümt selbstsüchtige Philosophie. Sie basiert auf der Überzeugung, dass die Menschen von Natur aus egoistische und oft gewalttätige Lebewesen sind, dass das Leben ein darwinistischer Kampf ums Überleben der körperlich, geistig und seelisch Wider-standsfähigsten ist, dass nur die Starken überleben und die Erde von denen regiert wird, die den immerwährenden Wettkampf im Dschungel, auch im Dschungel der Städte, gewinnen. Man kann diese extreme Auffassung natürlich verachten; sie beruht jedoch schon seit Jahrhunderten auf den Realitäten, die auf dieser Erde vorherrschen .(vgl. LaVey 1999. S. 21f)

3.2.2.Grundsätze des modernen Satanismus

"Die neun satanischen Grundsätze:

  1. Satan bedeutet Lebenskraft anstatt Hirngespinste !
  2. Satan bedeutet unverfälschte Weisheit anstatt heuchlerischen Selbstbetrug !
  3. Satan bedeutet Sinnesfreude anstatt Abstinenz(12) !
  4. Satan bedeutet Güte gegenüber denjenigen, die sie verdienen anstatt Verschwendung von Liebe an Undankbare !
  5. Satan bedeutet Rache anstatt Hinhalten der anderen Wange !
  6. Satan bedeutet Verantwortung für die Verantwortungsbewussten anstatt Fürsorge für psychische Vampire(13) !
  7. Satan bedeutet, dass der Mensch lediglich ein Tier unter anderen Tieren ist, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er aufgrund seiner ´göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung´ zum bösartigsten aller Tier geworden ist.
  8. Satan bedeutet alle sogenannten Sünden, denn sie alle führen zu physischer, geistiger oder emotionaler Erfüllung !
  9. Satan ist der beste Freund, den die Kirche jemals gehabt hat, denn er hat sie die ganzen Jahre über am Leben erhalten !" (vgl. LaVey 1999. S. 29)

3.2.3.Die satanische Einstellung

"Dem Satanisten ist bewusst, dass der Mensch, sowie die Aktion und Reaktion des Universums für alles verantwortlich ist und er gibt sich nicht der Illusion hin, dass jemand anderes für ihn sorgt. Wir werden uns nicht länger zurücklehnen und das Schicksal passiv hinnehmen, nur weil es in Kapitel soundso, Psalm soundso geschrieben steht - ein für alle Mal ! Der Satanist weiß, dass beten überhaupt nichts bewirkt - im Gegenteil es verringert die Erfolgschancen, da sich die frommen Eiferer oft einfach nur andächtig zurücklehnen und eine Situation herbeibeten, die sie selbst viel schneller erreichen können, wenn sie sich nur selbst darum kümmern würden ! Der Satanist meidet Ausdrücke wie ´hoffen´ und ´beten´, da sie ein Anzeichen für eine bestimmte Geisteshaltung sind. Wenn wir hoffen und beten, damit etwas eintritt, handeln wir nicht im positiven Sinne, damit es wirklich eintritt. Der Satanist weiß, dass er alles was er erreicht, sich selbst zu verdanken hat und er übernimmt das Kommando anstatt Gott darum zu bitten. Positives Denken und positives Handeln führen zusammen zu Ergebnissen. Ebenso wenig wie der Satanist Gott um Hilfe bittet, bittet er ihn auch um Vergebung für seine Vergehen. [...] Wenn ein Satanist etwas Verkehrtes tut, weiß er, dass es ganz natürlich ist, Fehler zu machen - und wenn ihm sein Vergehen wirklich Leid tut, wird er daraus lernen und dafür sorgen, dass es nicht noch einmal vorkommt."(vgl. LaVey 1999. S.41f)
"Der Satanismus stellt eine Art kontrollierter Selbstsucht dar. Damit ist nicht gemeint, dass man nie etwas für einen anderen tut. Wenn du etwas tust, um jemanden, der dir viel bedeutet, glücklich zu machen, wird seine Freude dir ein Gefühl der Befriedigung geben. Der Satanismus befürwortet eine abgewandelte Form der Goldenen Regel. Unsere Interpretation dieser Regel lautet: Tue anderen, was sie dir tun; denn wenn du anderen tust, was du gerne hättest, das sie dir tun und sie dich daraufhin schlecht behandeln, so ist es wider die menschliche Natur, weiterhin rücksichtsvoll zu ihnen zu sein. Du solltest anderen tun, wie du möchtest, dass sie dir tun, aber wenn deine Höflichkeit nicht erwidert wird, sollten sie mit dem Zorn, den sie verdienen, behandelt werden." (vgl. LaVey 1999. S. 52)

3.2.4. Satan und Satanismus aus satanistischer Sicht

"Die meisten Satanisten sehen Satan nicht als anthropomorphes(14) Wesen mit gespaltenen Hufen, Schwanz mit Widerhaken und Hörnern. Er repräsentiert lediglich eine Naturkraft - die Kräfte der Finsternis - die nur deshalb so heißen, weil keine Religion diese Kräfte je aus der Dunkelheit hervorgeholt hat. Auch die Wissenschaft hat keine technische Terminologie(15) für diese Kraft gefunden. Es ist ein noch nicht angezapftes Reservoir, von dem nur wenige Menschen Gebrauch machen können, weil es den meisten an der Fähigkeit mangelt, ein Werkzeug zu benutzen, ohne vorher die zum Funktionieren notwendigen Teile zerlegt und beschriftet zu haben. Das unaufhörliche Bedürfnis, zu analysieren, macht es den meisten Menschen unmöglich, diesen facettenreichen Schlüssel zum Unbekannten - den der Satanist Satan nennt - zu nutzen." (vgl. LaVey 1999. S. 64)

"Der Satanismus wurde immer als Synonym gesehen für Grausamkeit und Brutalität, das ist nur deshalb so, weil die Menschen Angst vor der Wahrheit haben - und die Wahrheit ist, dass nicht alle Menschen gutartig und liebevoll sind. Nur weil der Satanist zugibt, dass er fähig ist, zu lieben und zu hassen, wird er als Menschenhasser angesehen. Im Gegenteil, gerade weil er fähig ist, seinen Hass durch ritualisierte Ausdrucksformen freizusetzen, ist er weitaus fähiger, zu Liebe - der tiefsten Art der Liebe, indem er den Hass und die Liebe, die er empfindet, erkennt und akzeptiert, besteht keine Gefahr der Verwechslung. Wer eines dieser beiden Gefühle noch nie erlebt hat, kann auch das andere nicht vollkommen erleben." (vgl. LaVey 1999. S. 66)

3.2.5. Verhaltensweisen im Satanismus

Wie in jeder Philosophie gibt es auch im Satanismus allgemeine Verhaltensregeln. Für den, der diese Philosophie verstanden hat, müssen diese Verhaltensregeln nicht explizit aufgeschrieben werden. Um grundlegende Punkte des Satanismus zu verdeutlichen, werde ich sie hier trotzdem darlegen:

4.Zusammenfassung und abschließende Gedanken


Ich hoffe ich habe verständlich dargelegt, dass der Satanismus keine gefährliche oder lebensverneinende Philosophie ist. Er ist egoistisch, aber auf eine gesunde Art und Weise. Der Satanismus stützt sich auf Naturgesetze, die es seit der Existenz der Erde gibt. Zwar hat noch nie eine Religion ein solches Welt- und Menschenbild vertreten, aber nur weil es dies noch nie gab muss es nicht schlecht oder verwerflich sein. Es ist einfach neu und ungewohnt und entspricht dem Gegenteil bestehender Religionen.
So viele Menschen, wie im Namen eines Gottes schon gestorben sind übersteigt wahrscheinlich die Vorstellungskraft eines jeden Menschen. Somit ist es vielleicht gerechtfertigt eine Philosophie ins Leben zu rufen, die das Gegenteil zu allen bestehenden Weltreligionen bildet.
Abschließend lässt sich also sagen, dass die allermeisten Pressemitteilungen oder Vorurteile Satanisten gegenüber falsch sind oder falsch dargestellt werden. Wohl ist es richtig, dass es Menschen geben mag, die behaupten jemanden in Satans Namen getötet zu haben, aber das sind keine Satanisten sondern Spinner oder Kranke, die in ein Krankenhaus oder eine Haftanstalt gehören. Ein Mörder der behauptet im Namen Christi gemordet zu haben ist auch keine Christ, obwohl er dies behauptet, da er seine Religionen und deren Philosophie nicht verstanden hat. Ebenso ist es mit sogenannten Satanisten, die sich noch nie mit dem eigentlichen Begriff und der dahinterstehenden Philosophie auseinandergesetzt haben. Dummerweise ist weder das Wort ´Satanist´ noch das Wort ´Christ´ ein geschützter Begriff. Somit darf sich ein Kinderschänder bsp. immer noch Christ nennen, ebenso wie ein Mörder sich Satanist nennen darf.
Wie wir aber aus der Geschichte gelernt haben könnten, darf man nicht alle Menschen, die sich zu etwas bekennen in einen Topf werfen mit denen, die sich einem Vergehen schuldig machen.
Satanisten sind ganz normale Menschen, die nur ein anderes Bild von sich und der Welt haben.
Ich hoffe ich konnte mit diesem Referat etwas aufklären und die Angst vor dem Wort ´Satanismus´ nehmen.

5. Anhang: Fremdwörter und spezielle Begriffe

(1)Dionysos
auch Bakchos, griechischer Vegetationsgott; im Mythos Sohn des Zeus und der Semele ; Gott der Baumzucht und des Weins; Verehrung auch als Fruchtbarkeitsgott. In Dichtung und Kunst erscheint Dionysos in Tiergestalt (als Bock oder Stier). Sein Gefolge besteht aus Naturdämonen wie Nymphen, Satyrn und Silenen und in Ekstase versetzten Anhängerinnen. (vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(2)Pan
griechischer Mythos: Hirtengott, Sohn des Hermes und einer Nymphe, Begleiter des Dionysos. Er ist menschengestaltig, aber fellbedeckt, hat Bockshörner und -füße. Er stellt lüstern den Nymphen nach (aus Furcht vor ihm ließ sich die Nymphe Syrinx in Schilfrohr verwandeln, woraus Pan die Panflöte anfertigte) und ist Urheber plötzlichen, unerklärlichen (panischen) Schreckens, der Panik. Von den Römern dem Faun gleichgesetzt.
(vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(3)Satyr
im griechischen Mythos Wald- und Berggeist; trunksüchtiger, lüsterner Begleiter des Dionysos, Mischwesen zwischen Mensch und Tier. (vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(4)Faun
Faunus, altrömischer Naturgott, Schirmherr der Herden. Sein Fest waren die Luperkalien; später dem griechischen Pan gleichgesetzt und wie dieser gehörnt und bocksbeinig dargestellt; die Faune, lüsterne Waldgeister, entsprechen den griechischen Satyrn.
(vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(5)Thelemismus
Von Thelema, griech. Thelein = wollen, Crowley verkündete, ´tue was du willst soll sein das ganze Gesetz´ , es ist hier nicht gemeint, man solle tun, was einem gerade in den Sinn kommt, sondern was im Einklang mit dem eigenen Wahren Willen steht.
(6)Strömung 93
Ist dasselbe wie Thelemismus. In der Kabbala wird jedem Wort ein Buchstabenwert zugeordnet, dem Wort Thelema wird der Wert 93 zugeordnet, daher Strömung 93.
(Kabbala: Jüdische Mystik und religionsphilosophische Geheimlehre)
(7)Walpurgisnacht
ursprünglich ein keltisch-angelsächsisches Fest ("Samhain") zur Feier von Winter- und Jahresanfang (1.11.), das mit Opfern, Feuer, Maskerade u.a. Geister, Hexen und Dämonen vertreiben sollte.
(8)Psychodrama,
von J.L. Moreno begründetes Verfahren der tiefenpsychologischen Gruppentherapie, bei dem die Patienten ihre Konflikte durch spontanes Spiel und improvisierte Übernahme wechselnder Rollen schauspielerisch ausdrücken. Dem Patienten soll so die Dynamik des sozialen Beziehungsgefüges einsichtig werden, in das er eingebettet und von dem er in seinem Befinden und seiner Entwicklung abhängig ist. Das Durchleben, die Abreaktion (Katharsis) und ein Bewusstwerden der Konflikte sollen helfen, Einstellungen und Verhaltensweisen sowie konflikthafte Faktoren der eigenen Lebenswelt zu verändern. Das Psychodrama wird heute auch in anderen Bereichen, etwa in der Personalschulung oder in Selbsterfahrungsgruppen und als ergänzende Therapie in Kliniken angewendet.
(vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(9)Repressalien = Vergeltungsmaßnahmen, Druckmittel
(vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(10)puritanisch = sittenstreng
(11)Altruismus = Selbstlosigkeit (vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(12)Abstinenz = Enthaltsamkeit (vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)
(13)Psychische Vampire
Sind Menschen, die einem bewusst oder unbewusst Lebenskraft rauben. Sie geben anderen das Gefühl für sie verantwortlich zu sein oder in ihrer Schuld zu stehen. (vgl.LaVey.1999.S.77ff)
(14)anthropomorph = menschenähnlich
(15) Terminologie
die, Gesamtheit der Fachausdrücke auf einem Gebiet, wobei viele spezifische Bedeutungen vom allgemeinsprachlichen Gebrauch abweichen. (vgl. Der Brockhaus multimedial 2002)


6.Literaturangaben




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