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Signum Sanitatis

Pentagramm - Das Zeichen des Menschen

Im Garten Eden lebte der Mensch in der Unschuld, der ursprünglichen Einheit mit Gott. Doch hatte Gottvater auch einen Baum wachsen lassen, von dessen Früchten zu essen dem Menschen untersagt war. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse, so will es der Mythos, war ein Apfelbaum. Von der Schlange verführt erkannte Eva, es wäre gut, von diesem Baum zu essen, da er klug mache. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Verbannt aus dem Garten Eden, aus der Einheit mit Gott in die Polarität von Zeit und Raum gefallen, blieb fortan dem Menschen der Zugang zum Baum des Lebens, der Unsterblichkeit verleiht, verwehrt. Die Cherubim mit dem flammenden Schwert bewachen den Weg. Der Mensch ist Erde und zu Erde soll er werden. Und alles wegen eines Apfels...

Was ist nun der innere Gehalt dieses Symbols? Teilen Sie einen Apfel der Breite nach. Das Kerngehäuse in beiden Hälften bildet ein Pentagramm. Apfel und Pentagramm sind Symbole der Venus, die - ebenso wie der Mond - das Urprinzip des Weiblichen verkörpert. Während die Venus in acht Jahren einmal durch den Tierkreis wandert, bildet sie fünf Konjunktionen mit der Sonne und zeichnet so einen natürlichen Fünfstern an den Himmel. Im alten Babylon war dieses Zeichen schon der Göttin Ischtar, die der Aphrodite bzw. Venus entspricht, zugeordnet.

Natürliche Pentagramme finden sich weiterhin an fünfblättrigen Pflanzen, wie der Lilie oder dem Weinstock. Die 5 gilt als ein formbestimmendes Prinzip der organisch belebten Natur. Will man beispielsweise eine Rosenblüte geometrisch ideal konstruieren, so geht man vom Fünfstern aus. Auch Spinnennetze und Schneckengehäuse weisen neben der Spiralstruktur, die des Pentagramms auf.

spirale.gif (3248 Byte)Der fünfstrahlige Stern ist eines der ältesten magisches Zeichen überhaupt und auch unter den Bezeichnungen "Drudenfuß, Drudenkreuz, Alpfuß, Nornenstapfe, Maarfuß oder Pentalpha" bekannt. Ebenso auch als "Pentangulum, Pentakel, signum sanitatis oder signum Pythagoricum". Den altgriechischen Pythagoräern war es Symbol für Gesundheit und Vitalität, den Gnostikern, wie etwa den Bogumilen, ein Symbol für die fünf (!) Elemente, aus denen die Welt besteht. Diese jüdischen und insbesondere christlichen Sucher der Spätantike, die durch philosophische Erkenntnis und Spekulation, die verborgenen Geheimnisse Gottes und der Welt zu ergründen und dadurch zur Erlösung zu kommen versuchten, kannten im Gegensatz zu dem sonst üblichen Weltbild, nämlich ein fünftes Element: Das Licht.

Auf alten Grabsteinen in Kroatien, wo viele Bogumilen begraben liegen, befindet sich recht häufig ein Pentagramm als Relief. Gigantische Fünfsterne finden wir in Frankreich: In der Gegend von Rennes-le-Château liegen zwei gedachte Pentagramme mit einer Achsenlänge von jeweils genau 4 Meilen, deren Eckpunkte Templerburgen bilden. Doch brauchen wir gar nicht soweit zu schauen, um Stätten zu finden, an denen alte Baumeister ihr Verständnis des Kosmos und der heiligen Geometrie in großflächigen Landschaftsanlagen versinnbildlichten. Die Ortschaft Knielingen bei Karlsruhe, trägt ein Pentagramm im Wappen und die ringsum liegenden Kirchen in Eggenstein, Kleinsteinbach, Bismarckstein, St. Wendelin und Büchelberg sind im präzisen Muster eines Fünfsterns angeordnet.

In allen esoterischen Traditionen und modernen Logen hat das Pentagramm Bedeutung. Den Freimaurern ist der flammende Stern zunächst einmal und vor allem das Symbol der menschlichen Vernunft, des logischen Denkens und des Wahrheit suchenden Geistes. Er verkörpert also die Fähigkeit zur Erkenntnis, zur Unterscheidung von Gut und Böse und kann daher auch im Dunkeln, d.h. wenn keine Orientierung an äußeren, objektiven Maßstäben möglich ist, leuchten. Der Mensch ist von sich aus, von innen heraus erkenntnisfähig, lautet die Botschaft. Wir besitzen ein selbstreflexives Bewußtsein und können somit unser Handeln überdenken, in Frage stellen und verändern. Wir sind uns unserer selbst bewußt. Ein Tier z.B. ist das nicht. Es befindet sich noch in der ursprünglichen Einheit von Subjekt und Objekt und ist in jedem Augenblick ganz und gar das, was es ist. Eine Maus macht sich keine Gedanken darüber, ob es besser wäre, ein Löwe zu sein und eine Giraffe will nicht fliegen können. Ein Tier verstellt sich nicht und es verbirgt nichts von sich selbst. Dies nämlich ist die andere Seite des reflexiven, zur Erkenntnis fähigen Bewußtseins: Das Pentagramm kann auf dem Kopfe stehen, ein altes Sinnbild schwarzer Magie. Der Mensch kann lügen, täuschen, sein Innerstes, sein eigentliches Wesen verbergen, und dies ich nicht die Ausnahme sondern der Regelfall. Es ist dies typisch menschlich und die Schattenseite des erkennenden Verstandes. Man nennt es auch Persona, die Maske.

 

Eine wesentliche Rolle spielt das Pentagramm praktisch in allen magisch-esoterischen Schulen westlicher Prägung. So ist es z.B. auch in der, gerade wieder auflebenden, Wicca-Tradition das zentrale Symbol. Diesen Hexen, die Wilson die "weiblichen Freimaurer" nannte, dient es nicht nur als Erkennungszeichen untereinander, sondern wird auch gerne als Ohrring, Brosche oder Anhänger getragen. Weiteres symbolisiert es die fünf Elemente: Feuer, Erde, Wasser, Luft und Geist. In aufrechter Lage ist es das Zeichen des ersten Wicca-Grades, umgedreht das Zeichen des zweiten Grades (und des sogenannten "Gehörnten") und mit einem aufrecht stehenden, gleichseitigen Dreieck zusammen in ebenfalls aufrechter Lage, das Zeichen des dritten und höchsten Grades. Selbst die Kirche verwendet den Fünfstern, wie man beispielsweise am Westfenster der Westminsterabtei in London sehen kann. Auch dominierte er die Flaggen beider Weltmächte: USA und ehemaliger UdSSR.

In freimauerischem Kontext trägt der flammende Stern oft ein "G" im Zentrum. Die, allgemein vertretene Anschauung, dies bedeute " Geselle, Gott oder Gemeinschaft", erscheint mir aber etwas abseitig. Eliphas Levi z.B. schrieb 1894 in seinem berühmten Werk "Dogma und Ritual der hohen Magie": "Das Pentagramm, das man in den gnostischen Schulen den flammenden Stern nennt, ist das Zeichen (...) der geistigen Selbstherrschaft (...) Das G, das die Freimaurer in den Mittelpunkt des flammenden Sterns anbringen, bezeichnet Gnosis und Generatio, die zwei heiligen Wörter der alten Kabbalah. Es heißt auch der "Große Architekt"; denn das Pentagramm, von welcher Seite man es auch betrachtet, stellt ein A dar." und weiter: "Es heißt auch Gott."

"Um das rechte Maß und Verhältnis aller Dinge zu finden" dient dem Freimaurer die Kenntnis der Geometrie, für die ihm das G steht. Sie soll ihm bei der Aufgabe helfen, "den Winkel mit dem Zirkel zu vereinen." Sie ist die fünfte Wissenschaft, die fünfte der sieben "artes liberales", der freien Künste des Mittelalters. "Der ganze Himmel ist Harmonie und Zahl" lehrte schon Pythagoras an seiner Mysterienschule in Krotona und wies seine Schüler an, die Gesetze der Musik und das Wesen der Zahlen zu erforschen, nach der Harmonie zu suchen, welche Himmel und Erde, Sterne und Seele im Wohlklang vereint. Bernhard de Clairvaux, der Verfasser der Ordensregeln der Templer, wurde einst gefragt "Was ist Gott?" und er gab die verblüffende Antwort: "Er ist Länge, Weite, Höhe und Tiefe."

Die Tempelritter waren es, die Wissenschaft der heiligen Geometrie, die bis auf die sumerischen und ägyptischen Tempelbauherren zurückgeht, nach Europa brachten. Nachdem im Jahre 1099 Jerusalem erstmals von den Christen erobert worden war, erschien bald darauf und praktisch auf einen Schlag die Gotik im Abendland und sie erschien in Gestalt der Tempelbaukunst, die in den von den Templern initiierten und finanzierten Bauhütten aufblühte.

"Du hast alles geordnet mit Maß, Zahl und Gewicht.", sagt die Weisheit Salomons von Gott. Die geheime Kenntnis dieser ewigen Zahlengesetze, der Gesetze des Stoffes und des Geistes, die jahrhundertelang nur im Besitz von eingeweihten Magiern und Priestern des Morgenlandes gewesen war, wurde nunmehr die Grundlage für den Bau von prächtigen Kathedralen, Kirchen und Abteien in ganz Europa. In dem frühesten Bauwerk seiner Art, der von 1194 - 1220 in nur sechsundzwanzig Jahren errichteten Kathedrale von Chartres, einem Prototyp sozusagen, finden sich Maß- und Größenverhältnisse des Monumentes der heiligen Geometrie: der Cheopspyramide in Gizeh. Wegen deren Bezüge zur Arithmetik, Geographie und Astronomie geraten Forscher immer wieder in höchstes Staunen über das Wissen der Baumeister und manch einer nahm dies zum Ausgangspunkt für wildeste Spekulationen darüber, wie die alten Ägypter dieses Wissen wohl erlangt haben mochten. Zu diesem Thema wurden und werden ganze Bücher verfaßt.

Worin liegt nun aber das Geheimnis der gotischen Kathedralen? Ein Merkspruch der templerischen Baumeister im alten Frankreich lautete: "Drei Tafeln haben den Gral getragen: eine runde, eine quadratische und eine rechteckige Tafel. Alle drei haben denselben Flächeninhalt: Ihre Zahl ist 21." Was bedeutet das?

Setzt man die 21 für die Proportionen des Rechtecks, also für ein Seitenverhältnis von 2 : 1, so hat man die Proportion, die den ägyptischen und griechischen Tempeln zugrunde lag. Nach dem Satz des Pythagoras hat seine Diagonale den Wert Wurzel aus 5.

Wurzel aus 5 plus 1 geteilt durch 2 ergibt 1,61803398875... (eine irrationale Zahl), den Grenzwert der sogenannten "Fibonacci-Reihe", bekannt als Verhältnis des Goldenen Schnittes. Das Quadrat dieses Wertes (= 2,618...) multipliziert mit 6/5 ergibt seltsamer Weise genau pi, eine ebenfalls irrationale Zahl und die Konstante, mit deren Hilfe Umfang und Fläche eines Kreises berechnet werden können, wenn der Durchmesser bekannt ist.

 

 

Dies könnte die geometrische Lösung für die Vereinigung von Winkel und Zirkel, die bautechnische Quadratur des Kreises, sein. Es kommt das Element der Schönheit, der unmittelbar und sinnlich wahrnehmbaren Harmonie hinzu. Denn 6/5 ist das Schwingungsverhältnis von zwei Tönen, die das Intervall der kleinen Terz bilden, das Intervall zwischen den Grundtönen zusammengehöriger Dur- und Molltonarten. Das Wort der alten Baumeister enthält mithin den Schlüssel zur Überführung einer rechteckigen Fläche in Quadrat und Kreis, indem eine Größe hinzugenommen wird, die eine intuitive aber dennoch höchst präzise Aussage über harmonikale Zusammenhänge beinhaltet. Die Streckenverhältnisse des Goldenen Schnitts lassen sich am Pentagramm im übrigen zehnmal darstellen.

"Achtet auf diesen Stern und laßt Euch von ihm leiten", lautet eine Aufforderung für die Maurer. Für die drei alten Magier aus dem Morgenland, die Könige und Priester waren, leuchtete auch einst ein Stern als Wegweiser. Mag es auch astronomisch eine dreifache Konjunktion von Jupiter, Saturn und Uranus gewesen sein, so kündete der strahlende Stern jedenfalls von der Ankunft des Erlösers, der es auf sich nahm, den Menschen durch die Botschaft des Wissens und der Nächstenliebe aus seiner Sünde zu befreien. Nach Joh. 19,5 führt Pilatus den dornengekrönten Jesus vor das Volk und ruft aus: "Ecce Homo!" - in der Luther-Übersetzung: "Sehet, welch ein Mensch!" einfach und direkt übersetzt aber: "Sehet, der Mensch!" "Mein Reich ist nicht von dieser Welt", hatte Christus gesagt. Aus fünf Wunden blutend starb er am Kreuz, dem Symbol der materiellen Welt, das die polaren Dimensionen von Zeit und Raum aufspannt. Im Tode des Erlösers dann findet Re-Ligio, Rückbindung an die All-Einheit Gottes statt.

 

agrippa.gif (3815 Byte)Das aufrecht stehende Pentagramm ist das Symbol eben dieses Menschen. Wohlbekannt ist beispielsweise die Zeichnung des Agrippa von Nettesheim, des berühmtesten Magiers des Mittelalters, aus dem Jahr 1565. Hier steht der Mensch im Pentagramm, in vier Strahlen die Gliedmaßen, der fünfte umschließt den Kopf. Umgeben ist der Stern von astrologischen Planetensymbolen.

Die Freimaurer umgeben den Stern mit fünf Flammenbündeln mit jeweils fünf züngelnden Flammenfingern. Diese fünf steht für die "Quinta Essentia", die "fünfte Essenz" der Alchimisten, die über die gegebene Realität der vier Elemente, über die Dimensionen von Zeit und Raum, hinausgehende Kraft, die fähig ist, den darin verborgenen Sinn zu offenbaren. "Mein Reich ist nicht von dieser Welt"...

Das Pentagramm ist das Zeichen und die fünf die Zahl des Menschen. Der Kabbalist betreibt numerologische Kosmogenese, versucht also aus der Symbolik der Zahlen, die Entstehung des Universums und seine Gesetzmäßigkeiten herzuleiten. Seine Formel des Menschen lautet: 2 (göttlicher Wille) + 3 (Materie) = 5. Der Mensch mit seinen fünf Sinnen und den fünf Fingern steht ihm hierbei für die Quintessenz der Schöpfung, als Mittler zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos.

Sich dieser ganz besonderen Stellung zu erinnern, und insbesondere der damit einhergehenden Fähigkeit zur Erkenntnis, zur Analyse, zur Vernunft und Wissenschaftlichkeit, mag den Magier bei seinen Operationen schützen. Denn wenn die archetypischen Kräfte, die im kollektiven Unbewußten schlummern, sich zu regen beginnen bedarf es erfahrungsgemäß eines kühlen Kopfes um diesen nicht gänzlich zu verlieren. "Unsere Methode ist Wissenschaft - Unser Ziel ist Religion." lautet daher auch das Motto eines bekannten magischen Ordens unserer Tage. Schon Goethes Faust verwendet ja das Pentagramm als Abwehrzauber und zur Bannung der Elementargeister, bevor er den Teufel zitiert. - Ach ja, der Teufel.

 

teufel.gif (2053 Byte)Stellt man das Pentagramm mit der Spitze nach unten dar, als Drudenfuß, so haben wir ein verbreitetes Symbol für schwarze Magie. Es wird dann auch kein Mensch hineingestellt, sondern der Kopf eines Ziegenbocks. Dem weniger mit der Auslegung von Symbolen befaßten Mitmenschen, scheint mitunter das Pentagramm an sich schon als Symbol für Teufelswerk und Umgang mit dem Fürst der Finsternis zu stehen. Ganz so absurd ist das nicht.

Das Prinzip des Luzifer, des Lichtbringers, war es immerhin, das unsere Urmutter in Gestalt der Schlange angestiftet hatte, nach Erkenntnis, Einsicht und damit Selbstbestimmung zu verlangen. "Non serviam" - "Ich diene nicht" schleuderte dieser trotzige Engel Gottvater selbst entgegen und wurde in Folge dessen ein gefallener. Doch er ist und bleibt ein von Gott geschaffener und die Vorstellung, er sei sozusagen der gleichstarke Gegenpol Gottes, der mit diesem um die Seele des Menschen ringt, ist die eigentlich naive. Es gibt keinen Gegenpol zu Gott. Wenn der Gottesbegriff einen Sinn hat, dann den des All-Umfassenden, des All-Einen, des jenseits von polaren Gegensatzpaaren stehenden. Dem Teufel kommt seine Rolle zu: "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft", läßt Goethe seinen Mephisto sagen. Und Gott selbst läßt er sprechen: "Des Menschen Tätigkeit kann allzuleicht erschlaffen, er liebt sich bald die unbedingte Ruh; drum geb’ ich gern ihm den Gesellen zu, der reizt und wirkt und muß als Teufel schaffen." Armer Teufel.

Faust also schützt sich durch das Schlagen von Pentagrammen vor den niederen Geistern und tritt mit dem Herrn des Schattenreiches selbst, dem Herrscher über all die ins Unbewußte, den Schatten des Selbst, verdrängten Ängste und Konflikte in Kontakt.

Um einen geschützten Raum, einen Tempel, zu errichten, vollzieht ein Magier beispielsweise das "Kleine Bannende Pentagramm-Ritual". Das Pentagramm wird dabei in alle vier Himmelsrichtungen geschlagen und zwar aufrecht und von links unten beginnend. Von rechts begänne der Zauberer bei Operationen der Anrufung. Er visualisiert dabei die leuchtenden Fünfsterne gemeinsam mit den vier zugeordneten Erzengeln in den entsprechenden Himmelsrichtungen. Weiterhin sind diesen auch die vier Elemente zugeordnet mit der entsprechenden Symbolik der vier Farben des Tarot. Ein Pentagramm schmückt dabei die Scheibe, Symbol und Elementarwerkzeug für das Reich der Münzen. Ihr Erzengel ist Uriel und das zugeordnete Element die Erde. Der Magier selbst steht für das fünfte Element, bisweilen Äther genannt. Auf allen Abbildungen der Tarot-Karte Nr.1, die den Magier zeigt, weist dieser mit der einen Hand zum Himmel, mit der anderen zur Erde: "Der Mensch ist Erde und zu Erde soll er werden." auch wenn er mitten zwischen Mikro- und Makrokosmos steht.

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Der Stern also ist das Zeichen der Adepten. Auch der Freimaurer besitzt diese uralte Sigil. Im flammenden Stern strahlt ihm das göttliche Licht daraus, in dem alle Dämonen wie auch alle Magie sich zu nichts auflöst. Liegt ja auch das Ziel aller rechtverstandenen Magie eben nicht in Manipulationen

des Schicksals zur Erlangung von Gesundheit, Reichtum und Glück sondern eben in der Transzendenz des irdischen und materiellen. Alle Manipulation befreit nicht aus dem Traum und Trug der "Maia", sondern verstärkt noch die Verhaftung an die Illusion der sogenannten Realität. Allein das göttliche Licht vermag zu befreien.

Und seine Botschaft heißt Liebe. Unumschränkte Liebe zur Schöpfung und den Geschöpfen ist der Weg der Freiheit. Der Mensch schaue in sich und um sich! Er erkenne sich als Mensch im Mitmenschen. Ein jedes zeitfühlende Wesen trägt einen Teil des göttlichen Lichts in sich, doch ist es damit nichts allzu besonderes. Ich bin ein Mensch unter Menschen, nichts von heilig. Auch der heruntergekommenste Trunkenbold, Faschist oder Serienmörder ist in diesem Sinne mir gleich. "Glaube nicht du seist vollkommen, solange du noch unvollkommenes um dich herum siehst." heißt es in einem buddhistischen Text. Wie oben so unten; wie innen so außen. Was immer wir sehen ist nur ein Spiegel unserer Selbst.

Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst, die Aufforderung des Christus, ist der Weg zur persönlichen Freiheit, zur Erfahrung des gehalten - und geführt werdens und nicht etwa eine moralinsaure Aufforderung, nicht aufeinander einzuschlagen. Wieviel Glück, wieviel Freiheit und wieviel Toleranz beanspruchst Du für Dich? Schenke sie Deinem Nächsten und Du wirst frei werden! Wir selbst schaffen uns unsere eigenen Gesetze. Wen ich an einem anderen irgendein Verhalten als dumm, neurotisch oder böse deklariere, so wird das denjenigen vermutlich zunächst einmal reichlich wenig beeindrucken. Doch ich, ich selbst habe damit den Spielraum meines eigenen Denkens und Handelns beschnitten. Meine eigenen Gedanken und Taten in diesem Zusammenhang, werden dumm, neurotisch und verrückt erscheinen und zwar um so mehr, je mehr ich bei anderen verurteile.

Die Lösung - im wahrsten Sinn des Wortes- , liegt gerade nicht im Kampf, sondern in der Kapitulation, im Loslassen. Im Eingeständnis der Ohnmacht kann die Befreiung gelingen. Kampf verschlimmert und verschärft nur. Er führt zur Abspaltung dessen, was ich an mir nicht wahrhaben, nicht akzeptieren und lieben kann. Es heißt dann: Ich habe ein Verhalten, statt: Ich bin derjenige, der sich so verhält. Damit habe ich mich der Einflußnahme beraubt. Erst wenn ich erkenne, daß ich sowohl der Engel als auch der Teufel bin und nicht etwa einen guten und einen schlechten Teil habe, wird es mir möglich, auch die volle Verantwortung zu übernehmen; das heißt, zu antworten auf das, was sich in meinem Gemüt regt.

Das wird erst möglich, durch das Erlebnis des Mitmenschen. Im Kampf, alleine gegen sich selbst, bleibt der Mensch ein Gefangener. Im Spiegel der Anderen erst erhält er die Gelegenheit, sich selbst zu erkennen, sich anzunehmen und zu akzeptieren wie er ist. So wächst persönliche Freiheit. Doch ist dies keine Leistung sondern ein Geschenk. Es ist das Licht der göttlichen Liebe und Gnade. Dies ist das Licht, das durch das Pentagramm uns leuchtet. Wir brauchen bloß hinzusehen.

 

Das aufrechte Pentagramm

Das aufrechte Pentagramm ist das Schutzzeichen gegen unheilvolle Einflüsse. Es ist die "weiße Hand", das Zeichen der weisen Magie, wie im Mittelalter geglaubt wurde. In dieser Zeit war das Pentagramm als Bannmittel gegen böse Einflüsse sehr gebräuchlich. Auf Türschwellen wurde es angebracht, als Amulett getragen. Das Pentagramm, in einem Zug gezeichnet, wurde auch als Zauberknoten verwendet. Goethe hat in seinem Faust dem Pentagramm eine ganze Szene gegeben.

Das gestürzte Pentagramm

Das gestürzte Pentagramm ist ein Beschwörungszeichen, um Unheil, Unglück, Schaden und Fluch herbei zu wünschen. Im Mittelalter war es das Zeichen der "schwarzen Hand", also der schwarzen Magie, der Zauberei, um persönlichen, materiellen Vorteil zu erringen.

 

Literatur

Akron / Banzhaf: Der Crowley-Tarot, München 1991, S. 44 ff., S. 146, S. 164, S. 182

Bauer / Dümotz / Golowin: Lexikon der Symbole, München 1987, S. 41 f.

Butlar, Johannes v.,: Die Wächter von Eden, München 1993

Crowley, Aleister: Magie, Buch 4, Teil 2, Zürich 1982, S.386

Endres, Franz Carl: Die Symbole des Freimaurers, S. 83 - 88

Line, Julia: Das Arbeitsbuch der Numerologie, München 1991,

Levi, Eliphas: Einweihungsbriefe, Schwarzenburg 1980,

Magazin 2000, Nr. 94, Düsseldorf 1993, S. 79 f.

Richardson, Alan: Die mystische Kabbalah, Basel 1982, S. 55

 

Begriffs - Informationen und Quellen:

der Fünfstern, der fünfstrahlige Stern, der strahlende Stern, wird in einem Zug mit fünf gleichlangen Linien gezeichnet, mit der Spitze nach oben = das Symbol des Menschen (Gliedmaßen + Kopf), mit der Spitze nach unten = Drudenfuß, das Zeichen schwarzer Magie, Sieg der Materie über den Geist, aufrecht: Bannung und Schutz, umgedreht: Anrufung

Das Pentagramm galt bei den Griechen als heiliges Symbol des Lichtes, der Gesundheit und Vitalität.

In der recht bekannten Abbildung aus dem Jahr 1565, zeichnete einer der berühmtesten Magier des Mittelalters, Agrippa von Nettesheim, den Menschen ins Pentagramm, umgeben von den sieben Planetensymbolen der Astrologie.

Ich schließe mich nicht der Meinung von F.C. Endres an, die fünf sei letztlich unbedeutend in der Symbolik des P., es komme nur auf das hindurchstrahlende Licht an.

Verwandte Zeichen: Fünfblättrige Pflanzen, wie Rose, Lilie, Weinstock und die fünfzackige Krone im Wappen der geborenen Edelleute. (nach: Lexikon der Symbole, S. 41 f.)

Nach Prichard bedeutet der Buchstab G: "Die Geometrie oder die fünfte Wissenschaft." Im Mittelalter zählte die Geometrie zu den sogenannten sieben freien Künsten, den "artes liberales": Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie.

weitere Bedeutungen für G: (?)

Die alten Magier waren Könige und Priester. Die Ankunft des Erlösers wurde ihnen durch einen Stern verkündet. Dieser Stern wird durch das Pentagramm symbolisiert. Er ist das Sinnbild der Intelligenz, des Geistes der Ordnung und Harmonie, die durch die Einheit der Kraft die vier Elemente beherrscht. Er ist ein Sinnbild für den Leib des Menschen: Der Kopf steht in Verbindung mit den beiden Füßen. Jede Hand mit der anderen und mit einem Fuß, und jeder Fuß mit dem Kopf und einer Hand.

Das Wort stammt von Augustinus: "Alles als eine Beschäftigung Gottes mit meiner Seele zu betrachten."

5 = die Quintessenz (Alchemie): Die über die gegebene Realität der vier Elemente hinausgehende Kraft, die den darin verborgenen Sinn offenbart

In der numerologischen Kosmogenese, also dem kabbalistischen Versuch, eine zeitliche Abfolge in der Entstehung des Universums herzuleiten, ist die fünf die Zahl des Menschen. Der Mensch erscheint hier als Quinta Essentia, als Quintessenz der Schöpfung, als Vermittler zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos im Sinne des Hermes Trismegistos. Agrippa von Nettesheim, einer der bedeutendsten Magier des Mittelalters, stellte den Menschen denn auch ins Pentagramm seiner wohlbekannten Darstellung und machte damit diese Kosmologische Entsprechung deutlich. Das Pentagramm wird in der Folge okkultes Symbol des Makrokosmos, das in Goethes Faust den Teufel bannen kann, als auch Bestand teil der Stattsembleme beider Supermächte (USA und Ehem. UdSSR).

Pythagoras' Weltformel: 32 (Geist) + 42 (Materie) = 52 (Mensch)

Der flammende Stern ist das einzige selbständige Symbol des Gesellengrades.

5 ist die symbolische Zahl des Äthers, des fünften Elementes, weil dieses frei ist von den Störungen der vier niederen Elemente.

die fünf Bücher Mose (der "Pentateuch")

5. Gebot: Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren

1. Samuel 17,40: "David wählte fünf glatte Steine aus dem Bach." (D. + Goliath)

Mathäus 25,3: Gleichnis von fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen.

Christus blutete am Kreuz aus fünf Wunden.

5 = Geburah = Strenge, Gerechtigkeit = Mars = Adeptus Major

Tarot: Atu V = Der Hohepriester

die Pentakel = Scheiben, Münzen = Erde

Fünfheit = Kraft oder Bewegung = göttlicher Wille (2) + Materie (3)

hebräisches Alphabet: He = h/H, Zahlenwert 5

kabbalistisch: 5 = ja, Wolke, Dunst, Nebel, Beute, Augenbraue, Erhöhung,

I Ging: Sü = Das überlegte Warten, herrschende Linie fest (korrekt) auf fünftem Platz = Autorität

Astrologie: Mars, Löwe, 5. Haus = wahres Wesen, schöpferischer Selbstausdruck, "Kinder",

fünf Sinne, fünf Finger an jeder Hand,

F.C.Endres: Die Symbole des Freimaurers, S.86: Die Gnossis kennt Erkennungswort, Zeichen und Griff